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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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Vorbcttachtmig,

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bracht durch Gebildete, welche zwischen der Masse derBesitzenden und der Masse der Nichtbesitzenden eine Sonder-stellung einnehmen. Zunächst fällt diese Rolle den Köpfenanheim, welche das Abenteuerliche, welche das Unheim-liche aufsuchen. Wir haben uns lange erzählen lassen,Frankreich sei das Land des Neides. In Deutschland kannten wir diesen niedrigen Trieb weniger jedenfalls, solange sich mit den seltensten Ausnahmen auch nur Bilderder bescheideusteu Existenz dem Auge darboten. Heuteaber dürfte es uns nicht an Auslassungen fehlen, welchedenen der schlimmsten französischen Tage würdig zur Seitestehen können.

Was als Haß und Neid in den Massen gährt, wirdihnen zunächst von den sozialistischen Führern als fertigesPräparat beigebracht. Aber es ist ebendeshalb für dieübrige Gesellschaft viel unbedenklicher, als was in derForm von sittlicher Entrüstung, von ehrlichem Aergernißihnen nur mittelbar ans einer andern Region zufließt.Im Namen der Wissenschaft wird gegen eine Entfaltungder materiellen Welt protestirt, welche als unberechtigt,ungerecht, unnatürlich hingestellt wird, besonders deshalb,weil eine der Welt des gewerblichen Lebens von Hausaus fremde Berufsklasse dem fascinirendeu Eindruck deräußersten Gegensätze sich Preis gibt. Hierzu tritt einAnderes: der Ehrgeiz der Wissenschaft, besonders einerjungen. Wie ganz anders benimmt sich eine ehrsame alte,die Arzneikunde! Je mehr die Naturwisseuschaft vordringt,desto bescheidener wird unsere praktische Medizin. Vorhundert Jahren glaubte sie viel mehr kuriren zu können,als heute, da sie doch so viel mehr weiß; vor 20 Jahrennoch verbrauchte sie viel mehr Medikamente. Die Phar-makopöe schrumpft immer mehr zusammen. Nicht so die