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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Vorbclrachtung.

welchen wir jetzt in Deutschland zu thun haben, hervorge-gangen sind, so sehr man es auch liebt, sich mit englischenVorbildern zu schmücken. Wollen wir aber diesen folgen,so sollen wir auch ihre Grundsätze uns dienen lassen. Diearbeiterfreundliche" Minderheit der englischen Unterhaus-Commission, in welcher der weitestgehende Frederick Harri-son saß, faßt sich dahin zusammen:Wir denken, derrichtige Weg ist der, daß die Gewerkvereine jener spon-tanen Thätigkeit überlassen bleiben sollten, welcher sie ihrEntstehen verdanken, und daß der Staat mit seiner Politiksich nicht einmischen sollte, um ihnen einen dauernden undanerkannten Charakter zu verleihen." (Siehe die aus-führliche Stelle in Anlage VI.)

So sprachen dort die radikalsten Vertheidiger desArbeiterstandes nach Abschluß einer fünfzigjährigen Er-fahrung und einer vierjährigen angestrengten, umfassenden,g ewissenh asten Untersu chung.

Uns aber will man von gewisser Seite bereden, aufgesetzlichem Wege das zu versuchen, was bis jetzt nur denWortführern des communistischen Classenkrieges als letztesIdeal vorschwebte: die Einrichtungen der englischen Ge-werkvereine auf Grund einer demokratischen Dictatnr imfranzösischen Geiste sozialer Projektenmacherci von Staats-wegen alsArbeitskammern" einzusetzen.

War dies das Ziel, welches der deutschen Nationvorschwebte, als sie endlich die Anfänge eines geeintenund freien Staates mit Jubel begrüßte?