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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Zmcitt'S Capitel.

des Mißbrauchs momentan erlangter Uebermacht an sichtragen, wie z. B. da, wo sie sich in den Kopf setzen,keine Kameraden neben sich zn dulden, welche nicht ihrerVerbindung gehorchen. Auf beiden Seiten spielt nebendein materiellen Vortheil, um dessen Gewinn oder Verlustes sich handelt, das menschliche Selbstgefühl eine nichtunwichtige, wohlberechtigte Rolle, die von dem Instinktihrer praktischen Nützlichkeit getragen wird. Die Herren»vollen sich nicht von ihren Arbeiterndictiren" lassen,wie der Ausdruck gebräuchlich ward; die Arbeiter ihrerseitswiderstreben nicht minder solchen Anforderungen, welchenach Unterwerfung unter disciplinarische Vorschriftenschmecken, wie namentlich der Zumuthung des feierlichenVerzichts auf die Mitgliedschaft widerstrebender Verbin-dungen. Nupert Kettle, dessen Autorität so vielfach indiesen Frageu augerufen wird, jener Grafschaftsrichter,welcher so verdienstliche Versuche im Punkte der Schieds-ämter gemacht hat, führt drei Hauptkategorien auf, auswelchen die Arbeitszerwürfnisse entspringen, und darunterals dritte eine solche, welche er bezeichnet: Zerwürfnissevon wegen verletzten Selbstgefühls (^uarrels uxon somemattsi-3 c>k ssntiirisnt). Da es jetzt in Deutschland Stylist, das Überhandnehmen des Kapitals und der Groß-industrie als eine Schändlichkeit und ein Unglück zn ver-schreien, so dürste es uicht unpassend sein, an dieser Stelleeinzuschalten, daß nach den Beobachtungen von Freundund Feind gerade die mächtigeren Unternehmer in derRegel die nachgiebigeren sind, sowie auch in gemeinsamenNöthen, bei Krisen und Stockungen, die bereitwilligerenzn Opfern für die Fortführung der Arbeit und die Auf-rechthaltung der Löhne.

Fragt man nach der Grundansicht, zu welcher schließ-