Verfassung und Bestand der deutschen Gcwcrkvcrcine. igZ
striebedürfnissen in normalen Zeiten von Hilflosigkeit wahr-lich nicht die Rede sein kann. So bekennt auch ein denGewerkvereinen ganz nahe stehender Freund nnd Bericht-erstatter den etwas vitiösen Gang der Dinge in folgendenWorten („Arbeiterfreund, Zeitschrift für das Wohl derarbeitenden Classen"): „Die Menge der herabgcgaugenenVereine, trotz der für die Bewegung nicht ungünstigenallgemeinen Welt- und Geschäftslage des Jahres 1869,könnte als ein Beweis des Verfalls im Keime angesehenwerden. Andererseits muß man aber Rücksicht daraufnehmen, daß die Gewerkvereine allerlei Volk haben auf-nehmen müssen, wozu sie auch ferner wohl genöthigt sind,nnd daß auf solche Spreu kein Verlaß ist." Es warübrigens nicht bloß die „Spreu" der Fabrik- und Hand-arbeiter, welche stark abfiel, sondern auch in der Eliteder Mechaniker ergeben sich, wenn wir von einem starken,aus den Lokalverhältnissen zu erklärenden Wachsthum inBerlin absehen, im ersten Jahr zahlreiche Verluste. Gegen18 Vereine, die um 1112 Köpfe zugenommen, hatten18 andere nm 1128 abgenommen (Berlin stellt außerdemeine Zunahme von 1172 Mitgliedern). Wir wollen dieseErfahrungen nicht als dem Beruf der Gewerkvereine wider-sprechend hinstellen; sie sollen nur eiuen Aufklärungsbei-trag liefern zur Spontaneität der Bewegung und zurZweckmäßigkeit der „Agitation", welche noch heute in derVereinswirksamkeit einen so großen Platz einnimmt.
Endlich führt uns die Untersuchung jener rückläufi-gen Bewegung uoch auf einen Punkt, welcher den eigent-lichen Lebensnerv der Sache ein wenig unsanft berührt.Es sind dieß die Strikes. Der Bericht des Anwalts selbstauf dem Verbandstag von 1871 gibt nämlich ganz un-zweideutig zu verstehen, daß ein gewisser herber Mißerfolg