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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Drittes Capitel.

sich nicht selten, daß von einer Vielheit im Rundreisengegründeter Vereine binnen Jahresfrist da und dort welchein die Brüche gehen oder nur ein Scheindasein fristen.Agitiren, das Lieblingswort der betreffenden Wortführer,hat unlaugbar etwas von Aufpeitschen in seinem Sinn,und was aufgepeitscht worden, ist dem Zusammensinkenvon Natur ausgesetzt. Wer zwischen den Zeilen zu lesenversteht, kann aus der offiziellen Schilderung über dieEnttäuschungen, welche die Agitation sich z. B. in Ober-schlesien bereitet, sich ein vollständiges Bild von den Freu-den und Leiden solchen raschen Auf- uud Niedergangsinachen.Die Arbeiter, meistens polnischer Nationalität(heißt es da), traten anfangs mit glühendem Eifer unsrerSache bei; als sie aber ihre zum Theil irrigen Erwar-tungen nicht sofort befriedigt saheu (wer möchte das be-zweifeln!), ließen sie die Fahne im Stich, es kamen andereUmstände hinzu, uud so ist in Oberschlesien viel Kraftnnd Geld unserer Organisatiou verwendet worden, ohnedie entsprechenden Früchte zu tragen." Was schließlichzeigt, daß uicht bloß dem Krieg die Desertion in denneugegründeten Vereinen zuzuschreiben, ist die Thatsache,daß bereits ein Jahr vor dem Krieg von 166 Ortsver-einen 64 an Zahl stark zurückgegangen waren. ^ Dießergab sich am auffalleudsten in dem Verein der Fabrik-und Handarbeiter, in welchen einem Wachsthum um 660eine Abnahme um über 1700 Köpfe gegenübersteht. Unddoch, wenn irgendwo von Leiden nnd Aufbesserungsbedürf-niß eines Proletariats die Rede sein soll, wird man ohneZaudern diese Classe von Arbeitern voranstellen müssen,während bei gelernten Gesellen nach den heutigen Jndu-

i 88 hatten zugenommen, 14 waren stehen geblieben.