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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Verfassung und Bestand der deutschen Gewerkvercine. 101

gerichtet ist, zu ermitteln, ob die Unzufriedenheit derarbeitenden Kreise von innen heraus erwachsen oder vonaußen in sie hinein getragen ist. Auch die Wahrnehmungder letzteren Thatsache könnte uns allerdings nicht derPflicht entheben, ein Heilmittel für die Uebel zu suchen,die, gleichviel auf welche Weise, einmal in die Welt ge-kommen und nicht so leicht zu beseitigen als hervorzu-rufen sind.

Soweit der schnelle Rückgang des Zahlenbestandes imGesammtverbande der Gewerkvereine auf andere Ursachenals den Krieg zurückzuführen ist, liegt für den Beobachterdes thatsächlichen Verlaufs der Dinge auch die Erkläruugnicht sehr fern. DieAgitation" spielt in den Statuten,in den Verhandlungen und schriftlichen Verbreitungen derCentralleitung eine sehr große Rolle.Die Ausgabenfür Agitationen bilden einen bedeutenden Theil der Aus-gaben", erklärt der Anwalt selbst auf dem Verbandstag.Sie wird als das Hauptmittel zur Stiftung und Fort-pflanzung des Instituts ununterbrochen empfohlen undbesitzt in der Person des Verbandsanwaltes eine Kraft,die mit anerkennenswerther Unermüdlichkeit und Hin-gebung stets auf der Bresche und überall zur Hand ist.Eine große Zahl von Ortsvereinen wurde auf diesem Wegder persönlichen Agitationen geschaffen, gewöhnlich in An-wesenheit des Anwalts. Wer den Gang solcher Propa-ganda kennt, weiß, daß mit Hilfe einer im frischen An-lauf berufenen Versammlung, unter dem Eindruck be-geisterter Nedeu und im Hinweis auf die Morgenrötheeines neuen schöneren Tages ein Bundes- und Stiftungs-fest leicht zu Stande kommt. Form und Enthusiasmussind für eine gute Sache schnell bei der Hand, Bestandund Leistungen rücken schwerer nach. Daher ergibt es