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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Arbeitseinstellungen :c.

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Mitglieder der Fortschrittspartei müssen uns helfen, dennwir helfen ihr in den Wahlen. Und die Fortschrittsparteihielt sich anch vollauf für verpflichtet, dieser Auffassungzu entsprechen. Von den etlichen dreißig tausend Thalern,welche zur Unterstützung und Aufrcchthaltung des Strikeserhoben wurden, haben die Mitglieder jener politischenPartei akteumäßig 26,000 Thaler beigesteuert «Arbeiter-freund, 9ter Jahrgang, 2tes Heft). Wer aber etwa glau-ben möchte, daß anch dieser Vorgang nur vereinzelt da-stehe, der widme demOrgan" des Gewerkeverbandes dieAufmerksamkeit einer regelmäßigen Lesung. Er wird kon-statiren, daß die politische Propaganda nicht weniger eifrigin demselben betrieben wird, als die wirthschaftliche, undwird betrübt sein, wahrzunehmen, daß in die rein sach-lichen Fragen des Gewerbewesens die Leidenschaft, Ver-folgung und Verdächtigung, kleinliche politische Nergeleigemeugt wird bis auf den heutigen Tag; uud daß dieerste Bewegung in jedem gewerblichen Konflikt dem Im-pulse gehorcht, aus ihr ein Agitationsmittel zur Ansamm-lung von Gunst in den Arbeiterkreisen und ein Verdäch-tigungsmittel gegen politisch Andersmeinende zu machen.So erging es beispielsweise noch bei dem jüngsten Strikein der Pflug'schen Wagenfabrik zu Berlin . Man weiß,daß die Arbeiter dieser Anstalt mit der Forderung von20 Prozent Lohnerhöhung austraten. Die Verwaltung,ohne Zweifel unter dem Druck der übernommenen Liefe-rungsverpftichtungen, welche ebenso natürlich am liebstenvon den Arbeitern zu erhöhten Forderungen benützt wurden,beschied sich, denselben mit ihren Büchern in der Hand denBeweis zu liefern, daß sie denselben nachzukommen außerStande sei. Der Strike wurde verkündigt und die Fabrikgeschlossen. Doch der Zwang der Umstände bestimmte die