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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
112
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N2

Viertes Capitel.

Theilhaber der Fabrik, lieber ihren Verlust zu tragen,als ohne den in der Industrie nach allgemeinem Maßstabgeltenden Gewinn zn arbeiten, eine Freiheit, welche gewißnicht unterdrückt werden darf, ohne auch die Freiheit derArbeiter zu gefährden. Wie aber sprach sich bei Ausbruchdieser Krise dasOrgan" des Gewerkeverbandes überdie Sache aus? In der Wochenschau vom 30. August(Nr. 35 desGewerkvereins") dieses Jahres heißt eswörtlich:Auch hier in Berlin haben wir eine großartigeArbeitseinstellung zu beklagen. Die Arbeiter der ehemalsPflug'schen Wagenfabrik (Aktiengesellschaft für Eisenbahn-bedarf), 2000 an der Zahl, haben seit einer Woche dieArbeit eingestellt, weil ihnen die geforderte Lohnerhöhungvon 20 Prozent unter der Erklärung der Direktion<v. Unruh, Negierungsrath a. D. und nationallibe-raler Reichstagsabgeordneter, früher stark inVolkswohl machend), daß diese Lohnerhöhung die Prozenteder Aktionäre verzehren würde, verweigert wurde. Nachgenauer (?!) Prüfung der ganzen (!) Sachlage hat derGewerkverein der deutschen Maschinenbau-und Metallarbeiter beschlossen, den Strikemit allen Kräften zn unterstützen."

Die Fassung dieses Berichts bedarf keines Commentars.Die Insinuation gegen einen der ehrenhaftesten, sähigsten,geachtetsten Veteranen des deutschen Liberalismus, sach-verständig und leidenschaftslos wie Wenige, die Insinuationgegen eine nachbarliche Partei, die Insinuation, als lägeetwas Unmoralisches darin, daß ein von den Actionärenbestellter Director dieProzente" derselben, d. h. derenlegitimen Gewinnantheil, als Argument gebraucht, passenwahrlich nicht zu einem Verein, der die friedliche Ent-wicklung und Orgauisation der deutschen Arbeiterinteressen