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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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im Prinzip verwerfe, so bin ich der Meinung, daß wir dieArbeitseinstellungen haben müssen, um unsern Forderungeneinen Nachdruck zu geben. In der Erkenntniß der Macht,welche durch eiue gute Organisation erreicht wird, wirddasjenige liegen, was die Arbeitseinstellungen verhindert."

Mit andern Worten: die Strikes sind das Macht-mittel der Gewerkvereine, sie zerfallen nur in solche, diebloß Drohung bleiben, und in solche, die zum Ausbruchkommen. Das ist das volle Recht der Vereine, es istaber auch die reine Wahrheit ihres Inhalts, und alleBetheurungen des Gegentheils beruhen nur auf künstlichenAuslegungen, an denen es keine Partei fehlen läßt, wennsie vor den Schranken der öffentlichen Meinung erscheint.Hat doch auch die Internationale und haben zu verschie-denen Malen sozialdemokratische Führer feierlich erklärt,daß sie im Prinzip die Strikes verwerfen und als demArbeiter selbst schädlich erkennen. Nichtsdestoweniger er-leben wir an diesen letzteren doch genugsam tagtäglich dieentgegengesetzte Praxis. Und dennoch könnte man vonder Sozialdemokratie noch eher glauben, daß sie ohnejenes Mittel zum Ziele zu kommen dächte. Denn sie hates ja kein Hehl, daß sie ihre Hoffnungen recht eigentlichnur auf gewaltsame Umwälzung baut. Wenu dagegeuder friedliche Sozialismus der Gewerkvereine sich geradedadurch am meisten von jenen Secten unterscheidet, daßer ohne die Dazwischenknnft der Fäuste so große Ver-ändernngen in der Gesellschaft durch die Verbindung derArbeiter herbeizuführen verheißt, so muß ihm doch zumwenigsten Ein drastisches Mittel bleiben, und dieses be-steht in dem mittelst des Strikes (einerlei, ob gedrohteroder verwirklichter, denn ohne die Verwirklichung gibt esauch keine Drohung) auszunbenden Druck auf die um-