Die natürliche Tendenz der Gewcrkvercinc.
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telu, dann die Gemüther vergiften und allgemach denGeist der Arbeiter in eine Stimmung hineintreiben, dergegenüber die gemäßigten Leiter die Widerstandskraft ver-lieren. Hätten wir auch nicht dieß klassische Zeugniß,wir könnten uns aus eiuem Blick ins Leben und ausder allgemein menschlichen Erfahrung die Sache von selbstso ausmalen. Schon darum kann man nicht behaupten,das Abschreckeude der englischen Vorgänge passe nicht aufunsre Zustände, passe z. B. nicht einmal auf das ton-angebende Berlin . Die Sache verhält sich vielmehr um-gekehrt. Die starke Beimischung des politischen Elementesin den deutscheu Gewerkvereincn verstärkt alle zu excen-trischer Bewegung hindrängenden Kräfte.
In den englischen Unions ist es Vorschrift, daß beiihren Versammlungen von Politik nicht gehandelt werdendarf. Sie sind rein auf gewerblichem Boden und zu ge-werblicheu Zwecken gegründet, auch uicht einer besondernparlamentarischen Partei einverleibt. In Deutschland stehtdie Sache gerade umgekehrt. Vom politischen Ursprung derGewerkvereine habeu wir gehandelt. Wer bezweifeln möchte,daß sie diesem Ursprung treu geblieben sind, der nehme das„Organ" zur Hand, welches das A und O der offiziellenAgitation ist; welches nach der oft wiederholten Erklärungseines Redakteurs, des Verbandsanwaltes, iu jedem Ver-einsmitglied auch einen Abonnenten haben sollte. Esenthält regelmäßig eine Wochenschau, welche die politischenEreignisse im Geist einer ebenso heftigen als eng aus-schließlichen Parteipolitik darstellt, mit dem unvermeidlichenErgebniß, daß die lesenden Anhänger von Unwille undVerachtung für alle nicht zur besondern Partei schwören-den politischen und unpolitischen Kreise erfüllt werden.Welche Nahrung aus solchen Lehren praktisch gezogen