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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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161
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Der allmälige Entwicklungsgang ec. Igl

diesen Zweifeln um so mehr Raum geben, wenn man dieLehren der erst seit Kurzem in maßgebendem Umfang mög-lich gewordenen Erfahrung zu Rathe zog. Wurde inDeutschland zur Wahrheit, was in England für Wahrheitgilt, uud was wir glaubeu es gezeigt zu habendie ungeschminkte Wahrheit ist: daß die stärkste Triebkraftaller Gewerkvereine im Strikeverein sitzt, wollte dannim Hinblick auf die schweren Heimsuchungen des Gewerb-fleißes (der Strike der Berliner Baugewerbe, der EssenerStrike waren gerade im Gang), wollte der Reichstag dieVerantwortlichkeit übernehmen, feierlich das Striken alseine heilsame, lobens- und bewundernswerthe Veranstal-tung gepriesen und empfohlen zu haben?

In der That, es war nur zu begreiflich, daß beialler vorherrschenden Neigung, der beliebten Aufgabenäher zu treten, dennoch eine vorsichtige Erwägung undselbst ein gewisses Widerstreben sich geltend machten. Ge-rade die Mittel, welche angewendet wurden, um vor-wärts zu drängen, mußten am meisten Zweifel erwecken.Da von den jungen Gewerkvereinen, denen es eigentlichgalt, nicht viel zu sagen war, da von den sozialdemokra-tischen, lassallianischen, internationalen Gewerkschaften nichtsgesagt werden mochte, so blieb in der That, um das Be-dürfniß nach lebendiger Welterfahrung und greifbarenGestalten zu befriedigen, nichts übrig, als nachEngland hinüber zu wandern. England! England ! dasklingt so tüchtig, so gewaltig, imposant nnd praktisch zu-gleich. Aber wie viele im Reichstag oder in der Nationvermochten ein wahrhaftes und umfassendes Bild zu gebenvon dem, was die englischen Iracle vnicms waren, sind,leisten? von den verschiedenartigen Auffassungen, denen siean Ort und Stelle selbst begegnen? und gesetzt auch, diese

Bambergcr, Arbeitersrage. 11