Druckschrift 
Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160

Siebentes Capitel.

sie gar denjenigen Grad von Vertrautheit mit und Er-fahrung in der Materie sich erworben haben, die manvon einem gewissenhaften Gesetzgeber erwarten muß, uudwelche die kurze Geschichte des Uuternehmeus selbst denNächstbetheiligten, wollten sie nicht in handwerksmäßigeAnpreisung verfallen, nicht gewähren konnte. In Wahr-heit der Reichstag stand hier vor einem Idol, das ihmals ein hilfreicher Gott angepriesen wurde, das ihmaber vorläufig ein Osus iAnows sein mußte. Und nunsollte er dieser neuen Offenbarung nicht blos die Armeöffnen, er sollte ihr durch seine Anerkennung auch unver-meidlich den wirksamsten Stempel offizieller Anpreisungvon höchstbeglaubigter Stelle aus aufdrücken. Daraufzielte jedenfalls noch viel mehr die Absicht der treibendenElemente, als auf die formale Rechtserweiterung, derenMangel im praktischen Leben sich bis dahin nicht fühlbargemacht hatte, wenigstens soweit es möglich ist, dies ausden Akten der Gewerkvereine zu entuehmen. Dieser Punktder öffentlichen Anempfehlung und Beglaubigung war es,der, wie in England , am schwersten ins Gewicht fiel. Solange die Gewerkvereine an der Schranke des Hausesstanden und für ihr legitimes Dasein plüdirten, waren sienatürlich nur Verbiuduugen zu wohlthätigen Kassen, zurVerbreitung von Bildung, zur Bekämpfung der internatio-nalen Propaganda. Wer wollte einstehen für das, was sieam Tag nach der gesetzlichen Sanktion sein würden? Etwadie Befürworter, die Leiter, Vorstände der Gewerkvereine?Man kann an ihre besten Absichten glauben und dennochbezweifeln, ob sie die Macht und die Kraft haben werden,in ihrer aufAgitation" beruhenden Thätigkeit wirklich- die unparteiische Mitte zwischen den stets zur Verschärfungdrängenden Gegensätzen zu behaupten; und man mußte