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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
159
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Der allmälige Entwicklungsgang -c. 15g

gegen einen Vorschlag, dem die schweigengebietende Zauber-formel derArbeiterfreundlichkeit" unter wohlgeleitetenDemonstrationen vorgetragen wurde, die Empfindung da-gegen, daß mehr oder weniger hier die Einladung zueinemSprung ins Dunkle" ergangen sei das war dieDurchschnittsstimmung, auf welche der Antrag im Reichs-tag stieß, als er am 17. April 1872 wieder auf derTagesordnung erschien. Die Erfahrung eines Jahres,welches allmälig in das Bette des regelmäßigen Privat-und Staatslebens zurückgekehrt war, der eigenthümlicheCharakter namentlich, den die Arbeitseinstellungen in letzterZeit angenommen hatten, gaben genügenden Anstoß, umdie Aufgabe mit ganz andern Angen anzusehen, als zuvor.

Vor allem mußte der Umstand zu ernstein Besinnenauffordern, daß die Neuerung hauptsächlich in tavoremder Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine bezweckt war, unddaß nur die Wenigsten im Reichstag und in der Nationdas ganze Institut erfahrungsmäßig kannten. Viele wahr-scheinlich kaum dem Nameu nach. Und wie auch anders?Kaum vor drei Jahren begonnen, von denen eines zummindesten durch den alles andere absorbirenden Krieg aus-gefallen war; von einem kleinen Kreis rühriger Persön-lichkeiten in Berlin betrieben, mit Ergebnissen, die nureinigermaßen feststellen konnte, wer sich die Mühe gab,aus einzelnen Nummern von Fachblättern zerstreute An-deutungen zusammenzulesen, mit einem Bestand (nach demletzten Ausweis vom Herbst 1871) von zwölf bis vierzehnBerufszweigen, mit vielleicht 10,000, vielleicht 15,000 An-hängern über ganz Deutschland in ganz ungleicher Weisevertheilt, wie sollten die den verschiedensten Lebenskreisenangehörenden Volksvertreter zureichende Kenntniß habenvon dem, was eigentlich des Pudels Kern war? wie sollten