158
»siebentes Capitel.
erklärt hatte. Als der verstorbene Abgeordnete Grell diesoziale Saite der Aufgabe anschlug, gab es nur „Heiter-keit" über das enfsnt terribls der Ultramontanen, wel-ches überall Gelegenheit an den Haaren herbeiziehen müßte,um die Zufriedenheit der Unzufriedenen für seine Parteizu gewinnen.
Sowohl im norddeutschen Reichstag als in dieserVerhandlung des deutschen Reichstages hatten die Regie-rungen das dilatorische Verfahren eingehalten, äußereGrüude für die mangelnde Schlüssigkeit und demnach fürdas Nicht-Eingreifen in die öffentliche Diskussion angeführt.Es ist mit Gewißheit anzunehmen, daß hier schon einereifere und scharfsichtigere Auffassung in der Stille maß-gebend gewesen, namentlich auf Seiteu der preußischenleitenden Männer. Verantwortlichkeit schärst den Blickuud concentrirte Verantwortlichkeit ist stärker als vertheilte.Drei Minister werden sie in der Regel stärker empfindenals dreihundert Abgeordnete bei gleichem Pflichtgefühl. —Wie ganz anders lagen die Dinge, als nach Jahres-frist der Antrag des Abgeordneten Schulze wieder anden Reichstag herantrat! Der Gedanke, welcher dasjüngstemal sozusagen der letzte gewesen, erschien nun alsder erste. Auf allen Seiten des Hauses genügte diebloße Erwähnuirg des Gesetzvorschlags, um die Vorstellungwach zu rufen, daß hier etwas angeregt war, welches dieBerathung und Bcschließung in den Irrgarten der fog.'sozialen Frage hinüberzuleiteu drohe. Je harmloser dieSache auftrat als eine schon mehrmals geprüfte und unterdem ehrwürdigsten Patronat eingeführte, desto stärker machtesich das Bewußtsein einer stillen Verlegenheit geltend. DerZwiespalt zwischen diesen äußerlichen Empfehlungen undder inneren Bedenklichkeit, die Scheu vor offner Auflehnung