Der allmälige Entwicklungsgang ic.
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leisten, und manches andere dieser Art behauptete denVordergrund des Meinungskampfs. Nur da und dort,wie von ungefähr, ein leises Anspielen auf den tieferensozialen Kern der Sache, doch so als könnte oder sollteNiemand darob sich ernste Sorgen machen. Bis zurgroßen Markscheide des Jahres 1870 war solches Ver-halten schon aus zureichendem äußeren Grund erklärlich.Die unnatürliche Scheidung Deutschlands in zwei sonder-bare und gesonderte Wesenheiten erfüllte zunächst alle Ge-danken, und das Vorgefühl der nothwendigen Wiederver-einigung drängte alle übrigen Aufgaben und Räthsel derZukunft in den Hintergrund. Als dann unmittelbar nach derwelterschütternden und hocherhebenden Befreiung aus diesempeinlichen Ringen der erste Tag des kaum geträumtenReichs die vereinigten Repräsentanten des neugebornenVolks beschien, war wiederum dies Eine Gefühl so sehrüber alles Andere mächtig, daß noch immer für die be-denklichen Keime eines ins soziale Gebiet kaum den: Namennach übergreifenden Gesetzentwurfs der Sinn verschlossenblieb. Schon darum ward dieser mit einer gewissen Un-schuld aufgenommen, weil er unter den Auspizien, unterBrief und Siegel des norddeutschen Reichstages eintrat,dem als dem älteren, geschulteren Vorfahren, dankbares Ver-trauen entgegenging. Bei der ersten Berathung (26. April1871) kaum eine Andeutung der Möglichkeit, daß hierein Zweifel auftauchen könnte; bei der weitaus über-wiegenden Mehrheit keine andere Vorstellung, als daß esdoch natürlich sei, nachdem so viele Vereine das Rechtder freien Wirksamkeit erworben, nun auch den Nest dazuin denselben Korb zu werfen; zumal ein so vielverehrterund bewährter Mann, wie der Vater der Genossenschaften,die Sache in die Hand genommen und ganz für die seine