Druckschrift 
Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

166

Siebentes Capitel.

früheren Reichstagen hervorgegangencn Entwurf bedeu-tenden Abänderungen unterzog, Abänderungen, welchenamentlich gegen die Begünstigung agitatorischer Experi-mente gerichtet waren. Auch dieser Abschluß wäre vielleichtuicht zu positivem Ende gediehen, wenn nicht mancher Zu-stimmende sich gesagt hätte: es sei, wie die Dinge vor deröffentlichen Meinung nuu einmal liegen, besser, von derGesammtheit des Reichstags eine Entscheidung aussprechenzu lassen, als durch einen in: engsten Kreise ergangenennegativen Vorbescheid das Schicksal des Gesetzes in un-günstigem Sinne zu besiegeln.

Ob der Reichstag in seiner großen Gesammtheit eingewisses Widerstreben empfand, sich nun der mit Müheund Noth vorbereiteteu Arbeit zu unterziehen und denletzten uuwiderruflichen Ausspruch über das schon so langeund je länger desto heftiger schwankende gesetzliche Problemzu sälleu dies mag dahingestellt bleiben. Starkeninnereil Beruf dazu empfand er schwerlich; die Nähe desSessionsendes und die davon unzertrennliche Ermattungder Kräfte uach schwerer und aufregender Arbeit genügtals äußere Nechtfertiguug. Sechs Tage nach der letztenSitzung der Commission, kaum drei nach der Vertheilungihrer gedruckten Beschlüsse, ging der Reichstag auseinander; nnd der vierte Versuch, den Gewerkvereinen den Stempeleiner sie anerkennenden Gesetzlichkeit aufzudrücken, warabermals resultatlos geblieben, jedenfalls eine bezeichnendeThatsache und nichts weniger, als ein bloßer Zufall.

Den Regierungen mußte nach der Stellung, die siewiederholt und anch zuletzt zur Sache genommen hatten,der Ausgaug eher willkommen sein. Im Plenum hattensie sich diesmal bei der ersten Berathung ganz schwei-gend verhalten. In der Commission beobachtete ihr Ber-