Schieds- und Einigungsciintcr.
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Gefühlen berichten, welche Unternehmer und Arbeiter voneinander trennen. Beiläufig gesagt, müssen wir den Actender Unterhauscommission aus zahlreich wiederkehrendenAussagen die Ueberzeugung entnehmen, daß in England der innere Ingrimm und die Entrüstung auf Seiten der,Fabrikanten ebenso stark ist, wie auf Seiten der Arbeiter.Solche actenmäßige Darlegung des wechselseitigen Verhält-nisses auf deutschem Boden steht uns noch nicht zu Gebote;aber der Eindruck der lebendigen Anschauung der Dingegestattet uus die Vermuthung, daß von Seiten der Ar-beitgeber bei uns eine gleich scharfe Auffassung zu denseltenen Ausnahmen gehört. Das ganze starke Naturellder englischen Race, ihr positiver Geist und ihre in ge-wissem Sinn subjectiv eingeengte Sinnesweise, kurz dieAnlage zur strammen Orthodoxie in religiösen wie inanderen Verhältnissen mögen diesen Gegensatz zu demweicheren, vielseitigen, skeptischen Denk- und Gefühlslebendes Deutschen erklären. Dazu darf man nicht vergessendie lange Geschichte der furchtbaren Ausschreitungen, welcheauf Rechnung der englischen Arbeiterwelt kommen — derAusfluß derselben starken und unbeugsam einseitigen Cha-raktereigenthümlichkeiten, welche wir den Arbeitgebern zu-schreiben; die Reihe von meuchelnwrderischen Verschwörungen,von boshaften Eigenthumsbeschädigungen und krassen An-feindungen, welche die Untersuchungen in Sheffield, Man-chester und anderwärts massenweise ans Licht geförderthaben; das Vitriolschleudern, das Augenausdrücken (fürdas ein besonderer technischer Ausdruck erfunden wurde),das in die Luft sprengen u. f. w. — und man begreift,daß ein freier, nachsichtsvoller, die Leichtigkeit der Ver-führung beherzigender Standpunkt dem englischen Fabri-kanten schwerer fällt, als dem deutschen.