Druckschrift 
Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

I. BEGRIFF UND FORMEN DER FELDGEMEINSCHAFT.

berechtigten zusammenbringen. Die Drage nach der Vornahmeder Umtheilung löst sich also in eine andere auf, nämlich indie nach den Motiven, welche die Parteinahme für oder gegendie Umtheilung bestimmen, und nach den Momenten, welcheder zur Umtheilung sich neigenden Partei das Uebergewichtin der Gemeinschaft verschaffen.

Das wichtigste Interesse in diesem Spiel ist nun zweifellosdas der Vergrösserung bezw. Nichtverminderung des Grund-besitzes. Um die Parteibildungen zu verstehen, müssen wir alsovor allem feststellen, wer in der Gemeinschaft und in welchemMaasse er von der Umtheilung in der einen und wer in deranderen Weise getroffen wird. Damit nun die Aufmerksamkeitdes Lesers durch die vielen Einzelheiten dieser factischen Vor-frage nicht vom Hauptthema abgelenkt werde, lasse ich dieeingehende, auf statistischer Analyse beruhende Behandlung derFrage in einem besonderen Anhänge (siehe unten Anhang IV)folgen und führe hier nur die wichtigsten Ergebnisse dieserUntersuchung an, insoweit sie unsere Hauptfrage direct berühren.

Die nächste Wirkung der Umtheilung ist stets die gleich-massigere Ausstattung vom Standpunkte der Befriedigungder unmittelbaren Lebensbedürfnisse aus aller Wirthschaftenmit Land: durch die Umtheilung wird eine annähernde Pro-portionalität des Besitzstandes und der Familiengrösse unter allenWirthschaften hergestellt. Die Umtheilung besteht also in derUebertragung von Grundbesitz von denjenigen Familien, welchesich seit der vorigen Umtheilung weniger schnell als durch-schnittlich vermehrt haben, an diejenigen, welche in der Zeitmehr als durchschnittlich zugenommen haben. Da nun dieFamilien, welche schneller als die anderen anwachsen, in derRegel (nämlich, wenn es nicht zur Familientheilung kommt) auchdie grösseren sind, so werden bei der Umtheilung in der Haupt-sache die grösseren Familien auf Kosten der kleineren ausgestattet.

Nun kann aber der Besitzstand einer grossen Familie relativniedrig und absolut hoch sein: auf je ein Mitglied hat dieFamilie wenig Land, die Zahl der Mitglieder ist aber gross.Es kann folglich eine kleinere Familie, auch wenn sie reichlicher