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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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2. AEUSSERUNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PRINCIPS. 35

beobachtet, wo Leute deshalb gegen ihr eigenes Interesse fürdie Uratheilung gestimmt haben, weil ihre Brüder durch dieUmtheilung viel Land gewinnen konnten. Kräftigere Wirthe,welche Land bei ihren Genossen zu pachten pflegen, könnenmitunter deshalb für die Umtheilung sein, weil dabei nach ihrenBerechnungen solche Wirthschaften, welche ihr Land verpachten,viel Land bekommen; sie selbst hoffen dann das Land untersehr günstigen Bedingungen pachtweise an sich zu ziehen. Sowird z. B. aus dem sibirischen Kreise Kurgan von einer Ge-meinschaft berichtet, wo vier reiche Wirthe auf die ganze Dauerbis zur nächsten Umtheilung 100 Antheile von der gesammtenZahl von 340,5 sofort gepachtet haben. Solchen Wirthen wirdes unter Umständen auf eine unbedeutende Verringerung deseigenen Besitzes nicht so sehr ankommen.

In ähnlicher W'eise lässt sich die Handlungsweise derjenigenWirthe erklären, welche gegen die Uratheilung stimmen, obgleichsie eine Vergrösserung des Besitzes zu erwarten hätten. Manchefürchten die von ihnen gepachteten Antheile der anderen Mit-glieder der Gemeinschaft zu verlieren, da durch die Umtheilungder Pachtvertrag gelöst werden kann: es kann ja sein, dass derVerpächter weniger Land bekommt, als er verpachtet hatte.Andere suchen den Familientheilungen vorzubeugen: bei derUmtheilung bekommt die Wirtschaft auch Land als Antheilder jüngeren Familienmitglieder; das könnte dieselben dazubewegen, auf ihren Anteilen selbständige Wirthschaften zugründen. Wieder andere haben überdurchschnittlich grosseHofstätten und fürchten, dass man das auszugleichen suchenwerde dadurch, dass man ihnen weniger Ackerland zuweist(vgl. unten Abschnitt III, Kapitel 1, § 2). Ein schwer wiegendesMotiv, gegen die Umtheilung zu stimmen, ist die Abneigunggegen den mit der Umtheilung in der Begel (vgl. Anhang II)verknüpften Umtausch der Grundstücke unter den jetzigenBesitzern (Keuverloosung, vgl. S. 50). Man will seine altenParzellen nicht einmal gegen grössere neue Umtauschen.Andererseits kann dieses Motiv auch zu Gunsten der Umtheilungwirken: es kann Wirthe geben, denen gerade dieser Umtausch