2. AEUSSERUNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PRINCIPS. 37
der letzten Umtheilung gestorben oder ausgewandert sind. Oderes wird den Ueberlebenden von denen, welche bei der letztenUmtheilung einen Antheil bekommen haben, ihr Besitz unge-iindert gelassen und unter die Neugeborenen nur das Land derinzwischen Verstorbenen vertheilt. Es kommt auch vor, dassdie freigewOrdenen Antheile nicht unter alle Genossen, die mitLand, noch nicht ausgestattet sind, gleichmässig vertheilt, sondernden ältesten unter den jeweilig nicht ausgestatteten Berechtigtenzugewiesen werden.
Nachdem wir nun die Weise kennen gelernt haben, wieder Entschluss zur Umtheilung da gefasst wird, wo das Systemder Yertheilung von vorne herein als feststehend gilt, wird esuns nicht schwer sein, zu verstehen, wodurch man zuweilenbewogen wird, das Vertheilungssystem bei einer Umtheilungzu ändern.
Das Verlassen der Yertheilung nach der Leistungsfähigkeitwird stets dadurch hervorgerufen, dass das Yerlniltniss zwischenden Abgaben und dem Ertrage des Bodens ein günstigeres wird,ganz gleichgültig, ob dies der Herabsetzung der Steuern oderder Steigerung des Bodenertrages zu verdanken ist. Fällt dieYertheilung nach der Leistungsfähigkeit hin, so wird sie nurselten sofort durch ein System der Vertheilung nach den Be-dürfnissen ersetzt. Die Parteien können sich nicht leicht aufder neuen Grundlage constituiren. Oft vermittelt die Vertheilungnach der Uebereinkunft den Uebergang, oder es bleibt etwazunächst die alte Vertheilung länger bestehen, als es bei derVertheilung nach der Leistungsfälligkeit üblich war: diejenigenWirthe, welche nach der alten Verfassung das Recht auf Ab-wälzung von Land hätten, hüten sich natürlich jetzt wohl, daszu verlangen, und diejenigen, welche bei der neuen Konjuncturdas Interesse hätten, die Umtheilung durchzusetzen, finden sichin den veränderten Verhältnissen nicht leicht zurecht, nament-lich wenn die Aenderungen in dem Verhältnisse des Boden-ertrages zu den Abgaben keine plötzlichen sind, sondern all-mählich vor sich gehen. Es dauert infolgedessen immer eineZeit, ehe die Parteien sich der neuen Gestaltung der Interessen