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I. BEGRIFF UND FORMEN DER FELDGEMEINSCHAFT.
bewusst werden. Dann erst fängt der Kampf um die Umtheilungnach den Bedürfnissen an und verläuft in der bereits ge-schilderten Weise. Kur ist der AViderstand derjenigen AVirthe,welche Land abzugebeu haben, unter diesen Umständen besondersstark, was den A r organg stürmischer als sonst gestaltet. „Wirhaben das Land damals bebaut, als man für dasselbe mehrzahlen musste, als es einbrachte, und jetzt, wo man Vortheiledavon zu ziehen anfängt, wollt ihr uns das Land nehmen! “— ist ihr Hauptargument. Dieser Vorwurf wirkt. Diejenigen,die für die Umtheilung Partei genommen haben, werden zunächstverworren, und die Präge der Umtheilung verschwindet von derTagesordnung. Aber nur auf kurze Zeit. Bald ist die Antwortgefunden: „Ihr habt viel Steuern gezahlt. AA r as haben aber wir,die weniger gemeinschaftliches Land im Besitze haben, anPachtzins zahlen müssen! “ Dazu kommt noch, dass manchevon denjenigen, welche jetzt viel gemeinschaftliches Land haben,es erst vor kurzem, nämlich bei der letzten Umtheilung nachder Leistungsfähigkeit, bekommen und folglich gar nicht vieldafür in den Zeiten des schweren Steuerdrucks ausgegebenhaben; unter den AVirthen, wmlche momentan schlecht mit Landversehen sind, gibt es vielfach solche, welche bis zum Momenteder letzten Umtheilung die schweren Abgaben für viel Landgeleistet haben, denen aber gerade in der letzten Zeit die Kräfteversagten. Die Berechtigung der Ansprüche solcher AVirthe aufVergrösserung ihres Grundbesitzes ward allgemein anerkannt.Alan muss sie also in der einen oder in der anderen AA'eisebefriedigen. Da kommt es mitunter vor, dass ihnen (vielfachauch ihren Erben) die bei der letzten Umtheilung abgenommenenAntheile zurückgegeben werden, womit man also zu einemfrüheren Stande der Besitzvertheilung zurückkehrt und alle Ein-griffe der Gemeinschaft in dieselbe rückgängig macht. Darunterleidet zweifellos die Autorität der Gemeinschaft, so dass dieBeobachter dieser Phase in der Entwicklung der Feldgemein-schaft oft die Ueberzeugung gewinnen, dass es mit der feld-gemeinschaftlichen Verfassung am Ende sei. Vielfach ist aberdieser Zustand der Erschlaffung nur ein vorübergehender. Sind