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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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2. AEUSSERUNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PR1NCIPS. 51

durchschlagenden Erfolg. Infolge der Kauf- und Verkauf ge-schälte, des Erbens, des Pachtens, entwickelt sicli nämlich mitder Zeit überall, wo keine Maassregeln dagegen ergriffen werden,nothwendigerweise die unerträglichste Gemengelage, auch wenndie Grundstücke ursprünglich bestens arrondirt gewesen sind.Es kommt schliesslich dazu, dass viele Wirtlie in jedem Gewannenicht mehr je eine, sondern vielfach mehrere Parzellen haben.Da, wo Umtheilungen vorgenommen werden, führen sie zudemselben Ergebnisse. Die Neuverloosung nun, auch bei derAmvendung der Gewanntheilung, beseitigt dies, da dann jederWirth in jedem Gewanne sein Land in einem Stück bekommt.Von welcher Kraft dieses Motiv ist, lässt das bekannte Beispielder Gehöferschaft Losheim erkennen, welche nach einer 79 jäh-rigen Unterbrechung (von 1655 bis 1724) unter dem Druckeder allmählich unerträglich gewordenen Gemengelage die alteSitte der periodischen Neuverloosungen wieder aufgenommen hat.(Der interessant motivirte Beschluss der Gehöferschaft vom 13. No-vember 1724 ist bei Hanssen, II, S. 33, zu finden.)

Aber auch in einer anderen Weise tragen die Neuver-loosungen zur Verminderung der Streulage der Parzellen bei.Werden nämlich in einer Gemeinde Neuverloosungen oft genugvorgenommen, so ist es nicht erforderlich, viele Gewanne zubilden; man braucht nicht darauf zu achten, dass die Gewanneso genau gleichartig seien: gibt es auch kleinere Unterschiedeinnerhalb der Gewanne, so leidet derjenige Wirth, dem derZufall bei der Loosziehung ein schlechtes Stück zutheilt, nichtstark darunter, da nach einer nicht sehr langen Zeit die Neu-verloosung stattfindet, bei welcher ihm ein besseres Stück Landzufallen kann.

Dass man von kleineren Werthdifferenzen der Grundstückeabsehen darf, wenn man Neuverloosungen oft vollzieht, hat auchdie Bedeutung, dass dadurch die Bildung der Gewanne undsomit die Durchführung der Neuverloosung selbst unter Um-ständen nicht unerheblich erleichtert wird. Namentlich ist diesda von grösserem Werth, wo die genaue Bildung der Gewannebesondere Schwierigkeiten bietet, etwa weil man die Beschaffen-