54
I. BEGRIFF UND FORMEN DER FELDGEMEINSCHAFT.
hat die Gesammtheit daran, dass auf der Flur keine wüst liegendeParzellen vorhanden seien, denn jede unbestellte Parzelle schädigtauch die benachbarten Grundstücke. Damit diese wüsten Par-zellen verschwinden, werden Neuverloosungen vorgenommen,dadr bei die wüst liegenden Grundstücke an kräftigere Wirth-schaften kommen können, welche sie gut bestellen werden, da-gegen die schwächeren Wirthe bereits bestellte und in gutenZustand gebrachte Parzelleu erhalten. Schliesslich darf manauch das nicht vergessen, dass die Interessen der einzelnenWirthe nicht identisch sind; der Umtausch der Parzellen kannunter Umständen beiden Seiten vortheilhaft sein. Gerade beider Feldgraswirthschaft ist das oft der Fall: der schwächereWirth will vor allem bereits umgebrochenes Land bekommen,da seine Kräfte der schweren Arbeit der Urbarmachung nichtgewachsen sind; dagegen bietet das Umbrechen der kräftigerenWirthschaft keine Schwierigkeiten, es ist ihr sogar erwünscht,ihre bereits mehr oder weniger erschöpften Parzellen gegenfrische, noch nicht unter den Pflug genommene umzutauschen.
Schliesslich muss ich noch folgende, an die bekanntenCäsar’schen Erklärungen ’) der Sitte der Neuverloosung erinnerndeMotivirung erwähnen, die von W. Orlow mitgetheilt wird: invielen Gemeinschaften des Gouv. Moskau , wo bei der Verthei-lung nach der Leistungsfähigkeit häufige partielle Umtheilungender ersten Art üblich sind, werden jährliche Neuverloosungendes ganzen Brachfeldes vorgenommen; denn sonst würde niemanddie auf dem Wege der partiellen Umtheilung bekommenen Par-zellen so gut behandeln wie die eigenen Stammgrundstücke.Hier hat also die Neuverloosung den Zweck, keine besondersenge Yerbindung zwischen Mann und Land aufkommen zu lassen.Werden nämlich alle Grundstücke alle drei Jahre umgetauscht,so ist für eine differenzirende Behandlung durch den je-weiligen Besitzer kein Baum übrig. Aus diesen Gründen werdenin einer Gemeinschaft des Kreises Podolsk selbst die Hausgärtenhäufigen Neuverloosungen unterworfen: „sonst würden — be-