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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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59
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2. AEUSSERÜNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PRINCIPS. 59

Gewöhnlich werden auf diese Weise die Ausgaben für spezielle,jedesmal genau bezeichnete Zwecke bestritten, besonders, wenneine einmalige Anstrengung erforderlich ist; so z. B. die Aus-gaben für Armen- und Krankenpflege, für Schul- und Kirchen-wesen, namentlich für den Bau von Schule und Kirche; fürStrassenanlagen und Wasserleitung. Es werden so auch Yorräthefür den Fall der Missernte gesammelt. Aber auch für laufendeallgemeine Ausgaben, sogar für die Auszahlung der von denMitgliedern zu entrichtenden Steuern wird wohl auf diese Weisegesorgt, namentlich wenn grosse Bückslände auf der Gemein-schaft lasten. Eine besondere Entwicklung hat diese Rück-behaltung von Land in den deutschen Kolonien Süd-Russlands gewonnen, wo durch den Erlös aus der Verpachtung einesTheils der Gemarkung der Kolonisationsfonds genährt zu werdenpflegt, welcher dazu bestimmt ist, neue Ländereien anzukaufen,um den Ueberschuss der Bevölkerung darauf anzusiedeln. FolgendeZahlen mögen die Bedeutung dieser Erscheinung verdeutlichen:Die deutschen Kolonisten des Kreises Melitopol verpachten Jahraus Jahr ein zum Zwecke der Bildung des Kolonisationsfonds 6505Dessjätinen; aus dem Erlösejährlich 50 00060 000 Rubel haben sie während der 25 Jahre 18641889 circa 50400Dessjätinen angekauft, worauf an 1400 Wirthschaften augesiedeltworden sind; die Zahl der Wirthschaften in der Mutter-Kolonieselbst beträgt 1672. Die Mennoniten des Kreises Berdjanskverpachten 11743 Dessjätinen; der Erlös ist jährlich 65 000bis 80 000 Rubel. Im Jahre 1870 haben sie 21 000 Dessjätinengekauft; im Jahre 1884 noch 12 000 Dessjätinen zum Preisevon 600 000 Rubel; auf diesen 12 000 Dessjätinen sind über300 Familien angesiedelt worden. Im Jahre 1891 hat eine neueLanderwerbung stattgefunden; man hat Land genug zur An-siedelung von circa 300 Familien gekauft. 1 )

Das vierte Motiv, die Austheilung in Sondernutzung fällenzu lassen, wird durch die Schwierigkeit gebildet, gewisseNutzungen gleichmässig zu vertheilen. Diese Schwierigkeit kann

) W. Postnikow, S. 297299.