2. AEUSSERUNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PRINCIPS.
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Früchte unbehindert bleibt. Dem steht nun allerdings meistensder Umstand im Wege, dass die Gemeinschaft mit der reducirtenWeidefläche nicht auskommen kann. Da hilft man sich in folgen-der Weise. Um die gemeinschaftliche Heerde auf die Stoppelweidetreiben zu können, braucht nicht das ganze Feld auf einmal zurVerfügung zu stehen. Es geht zunächst schon, wenn ein Theildes Feldes frei ist. Die Gemeinschaft bestimmt nun für den Anbauder später reifenden Früchte ein oder mehrere besondere Gewanne;wer die betreffenden Früchte bauen will, darf das thnn, aber nurin diesen Gewannen; wohl aber darf hier Jedermann auch Früchtebauen, welche früher reif werden. In anderen Fällen lässt manumgekehrt in speciell dazu bestimmten Gewannen nur früherreifende Früchte zu; diese Gewanne dienen dann als Stoppelweide,während in den anderen die Frucht noch steht.
Was die specielle Gemengelage anbelangt, so macht siefreilich den strengen Flurzwang unentbehrlich, wenn keine Hilfegeschaffen wird. Man darf aber nicht meinen, dass der einzigeAusweg die totale Aufhebung der speciellen Gemengelage durchAnlegen von Feldwegen sei. Es sind vielmehr auch etwa folgendeFälle bekannt: 1 ) die Gemeinschaft gestattet den einzelnen Wirthen,später reifende Flüchte auf ihren Parzellen zu bauen, nurdürfen diese Früchte die Parzelle nicht in ihrer ganzen Längeeinnehmen; eine zum Durchfahren geeignete Stelle muss mitder dem strengen Flurzwange entsprechenden Frucht bestelltwerden; diese Frucht wird nun zum festgestellten Termin vomFelde geschafft, und das Ernten der später reifenden Früchteist dann unbehindert.
Dass schliesslich die Neuverloosungen, insofern sie alseine der Ursachen des Flurzwanges erscheinen, nicht den strengenFlurzwang voraussetzen, brauche ich kaum zu erwähnen.
Auf die Einzelheiten dieser milderen Formen des Flur-zwanges will ich hier nicht eingehen, da sie nicht aus demZusammenhänge mit dem Wirthschaftssysteme gerissen werdendürfen. Deshalb werden sie passender an den Beispielen er-
') SemenofT, Wolost Murajevvna, in Sammlung der Materialien fürdas Studium der Feldgemeinschaft.