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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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1. EINFACHE FELDGEMEINSCHAFTEN.

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kommt es dazu, dass die Besitzvertheilung in der Gemeinschafteine annähernd gleiclunässige wird. Dann ist es nicht mehrschwer, auch die allgemeine Umtheilung durchzuführen. Sogelangt man auf dem Wege der allmählichen Reformen schliess-lich zu der Feldgemeinschaft mit allgemeinen Umtheilungen,d. h. zu der Form, wo das feldgemeinschaftliche Princip amschärfsten ausgesprochen ist.

Eine im "Wesentlichen gleiche Entwicklung treffen wir auchbeim Wiesenlande. Der Process ist bloss zumeist etwas einfacher;es fällt die Phase der dauernden Besitzergreifung durch denAufwand von Arbeit aus, da die Wiesen meistens keinen Ar-beitsaufwand eifordern. Ist aber ein Arbeitsaufwand erforderlich,so fehlt diese Phase nicht; so z. B. bei Wiesen, welche bewässertoder entwässert werden, auch bei eingezäunten Wiesen, welchedann solange im Besitze des Occupanten bl ei heu, wie er den.Zaun unterhält. Die Beschränkiuig der freien Nutzung fängtfast immer so an, dass ein Tag für den Beginn der Mahd fest-gesetzt wird. Der Sinn dieser Bestimmung ist leicht erkennbar:es wird dadurch die Uobermacht der kräftigeren Wirthe gowisser-massen gebrochen, denn sie können nicht mehr so leicht denSclnvächeren vorgreifen und alles bessere Land für sich in An-spruch nehmen. Auf die Feststellung des Tages, an welchemdie Mahd anzufangen hat, folgen nach und nach weitere Maass-regeln: z. B. das Verbot, Lohnarbeiter beim Abgrenzen durchSensenhieb zu gebrauchen; dann die Forderung, die ummähteFläche binnen gewisser Frist z. B. in drei Tagen auchabzumähen; ferner die Aufhebung des Rechtes des Ummähensund das Verbot, Tagelöhner bei der Mahd selbst zu verwenden,eventuell genaue Feststellung der Zahl der Lohnarbeiter, diejede Wirthschaft. bei der Mahd verwenden darf. Da man beider Auswahl der Grundstücke, wo man Heu machen möchte,viel Zeit verliert und dabei stets die Gefahr läuft, zu spät zukommen und das in Aussicht genommene Grundstück von einemanderen bereits occupirt zu finden, so trifft man, zunächst privatim,(einzelne Wirthe unter sich) Verabredungen darüber, wo Jederzu mähen hat; oft besuchen die Genossen am Tage "vor dem