Druckschrift 
Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 
  

128 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.

nugen zur Stadt Tomsk stehen, alle Wiesen ohne Ausnahmeder Regelung unterworfen. Bezeichnend sind auch folgendeThatsachen. Im Kreise Ischim werden die Wiesen in Jahrenguter Heuernten frei genützt; ist dagegen das Gras schlechtgediehen, so wird die Nutzung mehr oder weniger genau ge-regelt. Ton einem Dorfe des Gouv. Irkutsk 1 ) wird berichtet,dass da meliorirte Wiesen während 35 Jahren im ungestörtenBesitze desjenigen Wirthes bleiben, welcher Arbeit und Kapitalauf sie verwendet hat; nachher werden sie in Jahren, wo derGraswuchs missrathen ist, unter alle Genossen vertheilt, inbesseren Jahren jedoch wieder an ihre alten Besitzer zurück-gegeben. Auch in Bezug auf das Ackerland kommt das vor;aus dem Uralgebiete wird z. B. berichtet, dass das für gewisseGartenculturen besonders hoch geschätzte Land im Ueber-schwemmungsgebiete der Flüsse in den Jahren, wo der Flussnicht weit aus den Ufern heraustritt, Umtheilungen unterworfenwird, dagegen in den Jahren, wo das Ueberschwemmungsgebietgross ist, nicht. 2 )

Sehr lehrreich sind die Beobachtungen, welche Kroll 3 )über die Entwicklung der feldgemeinschaftlichen Verfassung beidenjenigen einheimischen Völkerschaften Transbaikaliens mit-theilt, bei welchen der Ackerbau nur eine nebensächliche Rolleim Verhältnisse zur Viehzucht spielt. Da wird das Hauptgewichtnatürlich auf den Besitz von Wiesen und Weiden gelegt. Istder Vorrath an denselben noch ziemlich gross, so lässt man dieVerfassung der Occupation auch in Bezug auf das Ackerland

*) Vgl. Gouv. Irkutsk , Bd. II, Lief. 3, S. 235236.

2 ) Borodin. S. 320; Vgl. auch Kroll, S. 17. Dieselben Verhältnissesind in Sibirien oft in Bezug auf die Nutzung der Cedernwälder zu treffen.Interessant ist auch folgende, auf die Schottischen Inseln sich beziehende,Thatsache :Les varechs que locean rejette et quon utilise comme en-grais sont pris ä volonte par chacun, quand ils arrivent en abondance;mais quand ils sont rares, ils sont partages en peighinneom ou pennieset tires au sort. comme les lots de terre, afin que chacun ait sa partet que la propriötö dune chose indispensable ne soit ni accaparee nienlevee par le plus fort ou le plus leste. (Laveleye, S. 262).

3 ) Vgl. Kroll, S. 52.