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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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146 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.

die oben geschilderten Varianten alle möglichen Gestaltungenerschöpft wären, sondern einerseits, weil schon die Betrachtungdieser Varianten allein einen genügenden Einblick in die Ent-wicklung verschafft, hauptsächlich aber, weil die mir zur Ver-fügung stehenden Materialien nicht gestatten, den Verlauf derabsteigenden Weile in der Geschichte der feldgemeinscliaftlichenEigentliumsordnung mit derselben Sicherheit und Genauigkeitzu zeichnen. Es lassen sich allerdings innerhalb des europäischen- Busslands Fälle der rückläufigen Bewegung von der Mir-Ver-fassung in der Richtung des zurücktretenden feldgemeinschaft-lichen Princips beobachten; diese Fälle sind jedoch nicht sehrzahlreich und namentlich nur neueren Ursprungs, so dass nichteinmal von der Feststellung einer allgemeinen Tendenz die Bedesein kann, geschweige denn von einem Versuche, den Processgenau zu beschreiben. Und die Erfahrungen West-Europas lassensich für unsere Zwecke wegen der häufigen Eingriffe der äusserenMächte in die Entwicklung der Feldgemeinschaften nicht gut aus-beuten; ausserdem sind sie auch oft genug zusammengefasst'worden.

Ich ziehe also vor, zum Abschluss dieses Kapitels einenBlick auf die allgemeineren Folgerungen zu werfen, die sichaus dem Studium der Entwicklung der Feldgemeinschaft inSibirien und im europäischen Russland ergeben. Als treibendeKraft haben wir den Klassengegensatz innerhalb der Gemein-schaft, den beim Anwachsen der Bevölkerung sich immer ver-schärfenden Kampf ums Land kennen gelernt. Folglich ist esnicht zu erwarten, dass die Entwicklung unter allen Umständendie gleiche sein wird. Je nachdem die eine oder die andere derkämpfenden Parteien die Oberhand behält, wird die Entwicklungin der einen oder in der anderen Richtung gehen. Alles, wasdie Parteigruppirung beeinflusst, gewinnt Einfluss auf den Aus-gang des Kampfes. Da aber der Kampf mit Argumenten aus-gefochten wird zu einer directen Vergewaltigung kommt esverhältnissmässig selten, so gewinnen insbesondere die psycho-logischen Momente an Kraft. So ist die Rolle des Steuersystemsund die der Anerkennung des Rechtes auf das Object der auf-gewandten Arbeit zu würdigen. Was die directe staatliche Be-