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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
Entstehung
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152 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.

Beziehungen feldgemeinschaftlichen Charakters bestanden: Jeder-mann durfte das noch nicht occupirte Land frei benutzen. Viel-fach erstreckte sich diese Freiheit auch auf diejenigen Wirthe,welche in den Nachbardörfern wohnten, da es sich bei demUeberflusso an benutzbarem Lande nicht lohnte, genaue Gebiets-abgrenzungen vorzunehmen. Die in der nächsten Nähe derWohnstätten liegenden Grundstücke wurden dabei natiirlicher-Aveise von den Eimvolmem des betreffenden Dorfes ausschliess-, lieh benutzt; auf etwas entfernteren Grundstücken wirthschaftetendie BeAvohner von zAvei, drei in unmittelbarer Nachbarschaftliegenden Dörfern und zwar in desto grösserem Gemenge, jeAveiter man sich von den Wohnstätten entfernte. Schliesslichstanden die ganz weit gelegenen Grundstücke allen Dörfern derUmgebung gleiclunässig zur Nutzung frei. Wird nun der Mangelan gut benutzbarem Lande fühlbar, Avodurch, Avie Avir oben ge-sehen haben, die Macht der Gesannntheit allmählich erstarkt,so ergreift der Process zumeist nicht einzelne Dörfer, sonderndas ganze Aveitere Gebiet. Denn Avelchen Sinn hätte es für eineinzelnes Dorf, Regeln aufzustellen, Avelche die Nutzungsfreiheitseiner BeAvohner einschränken, wenn die Bewohner des Nach-bardorfes, die in derselben Gegend wirthschaften, diese Regelnnicht beobachten? Demgemäss nimmt die Ausbildung des überdie einzelnen Wirthe herrschenden GesammtAvillens einen dop-pelten Verlauf: einerseits ist es die Gesannntheit der Dorfge-nossen, welche mit immer Avachsender Autorität in die Eigen-thumsordnung dieses Dorfes eingreift; andererseits wächst aberauch Avegen der Regelung derjenigen Tlieile der Gemarkung,Avelche zum gemeinsamen Wirtschaftsgebiete mehrerer Dörfergehören, die Autorität der Gcsammtheit aller Nachbarn, ohneRücksicht auf ihre Gruppirung in Dörfer. Was nun im ent-scheidenden Momente der ersten Umtheilung die Oberhand be-hält, ob das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu dem grösserenVerbände oder das Gefühl des engeren Anschlusses an die Dorf-genossen, hängt Avohl vor allem von der natürlichen Beschaffen-heit der Gegend ab. Sind die Verhältnisse so, dass die BeAvohnerdes Dorfes alles, Avas sie zu ihrer Wirtschaft brauchen, in der