2. ZUSAMMENGESETZTE FELDGEMEINSCHAFTEN.
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Kühe des Dorfes haben und deshalb relativ wenig' mit denjenigenNachbarn in Berührung kommen, welche in anderen Dörfernwohnen, so tritt der Dorfverband in den Vordergrund; sind da-gegen die Bewohner des Dorfes, etwa weil es in der Nähe derAecker keine gute Wiesen gibt, gezwungen, die für ihre Wirtli-schaft nothwendigen Grundstücke zum Th eil weit von ihrenWohnstätten zu suchen, wobei sie ins Gemenge mit den inNachbardörfern Avohnenden Wirthen kommen, so überwiegt dasBeAA r usstsein der Zugehörigkeit aller Nachbarn zu einer höherenGemeinschaft, in jenem Dalle schliesst der oben geschilderteProcess der Entwicklung mit der Bildung einfacher Dorfgemein-schaften und mit der definitiven Abgrenzung ihrer Gemarkungenab; im anderen Falle dagegen mit der Entstehung ausgedehnter,mehrere Dörfer umfassender feldgemeinschaftlicher Verbände.Charakteristisch ist es, dass sehr oft ein Mittelding zu Standekommt: einzelne Nutzungen, namentlich das Ackerland, Avelches,Avie es der Natur der Sache entspricht, nicht sehr Aveit von denWohnstätten zu liegen pflegt, bilden die Grundlage für unab-hängige Dorfgemoinschaften; die anderen Nutzungen aber rufeneine zusammengesetzte Feldgemeinschaft hervor.
Auf diese Weise ist die zusammengesetzte Feldgemeinschaftin A’ielen Fällen in Sibirien entstanden. Ich muss noch erwähnen,dass die Art und Weise der Landvermessung nicht ohne Ein-fluss auf die Entstehung derselben geAvesen ist. Das Land warnämlich meistens in einem Stück den Dörfern einer ganzenGegend, namentlich der höheren administrativen Einheit, derWolost , zugeAviesen. Das erleichterte natürlich die Bildung grosserfeldgemeinschaftlicher Verbände. Der Einfluss dieses Momentesdarf aber nicht zu hoch geschätzt Averden. Denn sehr oft haltensicli die zusammengesetzten Feldgemeinschaften nicht an dieGrenzen des Vermessungsrayons; manchmal überschreiten siediese Grenzen, manchmal umfassen sie nur einen Theil desRayons; oft kreuzen sich die Grenzen derVermessungseinheitenund der feldgemeinschaftlichen Einheiten.
In dem eben geschilderten Falle entsteht die zusammen-gesetzte Gemeinschaft ohne jede Vermittelung der Dorfgemein-