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III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.
der Feldgemeinschaft nicht des Mir-, sondern des Antheilstypus,denn die Thalweiden und -Wiesen werden von der Gemeinschaftnicht umgetheilt, und somit wird auch der Antheil an den Alp-weiden da, wo diese Bestimmung sich behauptet, nicht mehrvom Willen der Gesammtheit, sondern ausschliesslich vom Thal-bcsitze abhängig).
Da,, wo diese Richtung nicht eingeschlagen wird, wirdmeistens zu Geldentschädigungen gegriffen. Die elementarsteAusgleichung besteht dann in der Erhebung einer Abgabe vonjedem Stück Vieh, das von den Genossen auf die gemeinsameWeide getrieben wird, des „Amflags“, wie man diese Abgabein der Schweiz nennt. Wird diese Summe der Gemeinschafts-kasse zugeführt oder gar unter die Genossen nach Maassgabeder Berechtigungen vertheilt, was eigentlich gleichbedeutend ist,so wird dadurch eine gewisse Ausgleichung erreicht; man zahltja desto mehr, je mehr Vieh man auf die Weide treiben lässt,und bekommt, Rückvergütung nicht in dem Verhältnisse derViehzahl, sondern in dem Verhältnisse der Antheilsrechte; weralso mehr Vieh hat, als seiner Betheiligung entspricht, bekommtweniger, als er gezahlt hat; wer weniger Vieh hat, bekommtmehr, als er giebt. Die Ausgleichung ist noch genauer, wenndie erhobene Summe nicht unter alle Genossen vertheilt wird,sondern allein unter diejenigen, welche die Weide gar nichtoder mnverhältnissmässig wenig benutzen. Noch deutlicher trittder ausgleichende Charakter dieser Finanzpolitik der Gemein-schaft da ans Licht, wo „der Auflag“ nach einem mit der Viehzahlprogressiv steigenden Fuss oder gar nur von denjenigen Genossen,welche übermässig viel Vieh auf die Weide Reiben, erhoben wird.Auch in diesem Falle giebt es feinere und minder feine Formen.So wird es in Russland z. B. hie und da in der Weise ge-macht, dass die viehreichen Genossen einfach gewisse Zahlungenund Leistungen für die Gemeinschaft übernehmen, ohne dassman genau ausrechnet, in wie weit diese Gegenleistung denVortheilen entspricht, welche sie aus der Weidenutzung ziehen.Am feinsten ist zweifellos die folgende Form, zu der man in denSteppen Süd-Russlands und Sibiriens ebenso gut wie auf den