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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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187
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1 . FELDGEMEINSCHAFT UND DIE NUTZUNGSWEISE DER GRUNDSTÜCKE. 1 87

können Schwierigkeiten eigener Art entstellen. Es kommt nämlichoft vor, dass im Zeitpunkte der nächsten IJmtheilung nicht alleWirthe mit der Rodung ihrer Rarzellen thatsächlich fertig sind.Die einfache Umtheilung oder Neuverloosung wäre unter diesenUmständen für die arbeitsameren Wirthe unvortheilhaft. ln diesemFalle hilft man sich meistens in der Weise, dass man diejenigenWirthe, welche ihre Grundstücke noch nicht vom Walde befreithaben, von den jSTeuverloosungen ausschliesst und hei den Um-theilungen ihnen das zur Rodung überwiesene Waldland alsAckerland anrechnet, oder, falls der Antheil gekürzt werdensoll, den bereits gerodeten Theil der Rarzelle abnimmt.

Am einfachsten werden alle Rroblemo da gelöst, wo die Ge-meinsc 'c ergreift, sondern auch die Rodung

selbst übernimmt und erst das gerodete Land unter die Genossenzum Anbau vertheilt. Durch dieses Vorgehen wird die Gemeinschaftnatürlich aller oben geschilderten Schwierigkeiten überhoben.

Fassen Avir nun die Gestaltung der Verhältnisse da insAuge, avo die Gemeinschaft für das Fortbestehen der Wahlnutzungzu sorgen hat, so ist zunächst hervorzuheben, dass überall, inMittel-Russland Avie in Sibirien, in Deutschland Avie in der Seliweiz,die einzelnen Maassnahmen soAvie deren Reihenfolge ungefährdieselben sind. In Deutschland sollen freilich diese Maassnahmen,nach Inama-Sternegg, von den Bauerngemeinden nicht spontan,sondern unter dem Einfluss der Landes- und der grundherrlichenVorschriften ergriffen Avorden sein. In Russland , namentlichin Sibirien , sind sie dagegen von den Bauern ganz frei undautonom eingeführt Avorden.

Fangen AA r ir alsp mit der freien Nutzung des Waldes an.Man beachte dabei, dass die Waldnutzung nicht nur in dereigentlichen Holz-, sondern auch in zahlreichen Nebennutzungenbesteht, AA r ie Laubsfreu-, Eicheln-, Beeren-, Rilzlese u. s. av. Esdarf also hier Jedermann aus dem gemeinsamen Walde so viel,Avie er avüI, Holz, Beeren, Nüsse etc. holen. Beginnt aber derWaldvorrath merklich abzunehmen, so dass geAvisse Waldnutz-ungen nicht mehr, Avie A'orher, den Bedarf mit Ueberschussdecken, so Avird in Bezug auf die betreffenden Nutzungen die