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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.

In beiden Fällen, gleichgiltig, ob die Gemeinschaft selbstdie Abholzung besorgt oder die abzuholzende Parzelle vorherunter die Genossen vertheilt wird, hat die Gemeinschaft für dieAufstellung des Wirthschaftsplanes zu sorgen. Sie hat nämlichzu bestimmen, welche Waldungen in jedem Jahre abgeholztwerden sollen; somit hat sie die Leitung des Forstbetriebes inder Hand. Dabei wird A'ielfach, wenn nicht von Seiten der überder Gemeinschaft stellenden öffentlichen Gewalten eingegriffenwird, nicht besonders wirthschaftlich vorgogangen. Oft wird injedem Jahre ohne Rücksicht auf die dauernde Erhaltung desWaldbestandes so viel abgeholzt, wie man gerade braucht. Zu-weilen dient der Wald der Gemeinschaft als ein Reservefonds,zu dem in jeder Notblage gegriffen wird. Es sind aber auchFälle einer pfleglicheren Behandlung der Wälder seitens derGemeinschaften zu treffen. Es kommt doch vor, dass die Feld-gemeinschaft sich für eine planmässigero Forstwirtschaft ent-scheidet, auch ohne durch die Staatsgewalt dazu gezwungen zuwerden. Dann ist eigentlich zum liebergang zu einem rationellenForstbetriebe keine radicale Umwälzung erforderlich. Die Ge-meinschaft stellt ja jährlich fest, welcher Theil ihrer Wald-gemarkung abgebolzt werden soll; sie hat es somit ohne weiteresin der Hand, die Bestimmungen so zu treffen, dass die forsttech-nischen Anforderungen.erfüllt werden. Nur fehlt es der Gemein-schaft oft an forsttechnischen Kenntnissen; deshalb wird mitunterkein ganz rationeller Abholzungs- und Aufforstungsplan auf-gestellt, sondern die guten Absichten der Gemeinschaft nehmenweniger zweckmässige Gestalt an. Oft begnügt man sich damit,die Fläche, die jährlich abgeholzt werden soll, gegen früher zureduciren; dabei gebt man hie und da so weit, dass man aufjährliche Abbolzung eines Theiles der Waldgemarkung verzichtetund bloss einmal in mehreren Jahren den Mitgliedern den Holz-genuss zukommen lässt.

Viel schwerer ist es, da zum rationellen Forstbetriebeüberzugehen, wo das Bedürfnis nach der besseren Pflege derWaldungen bereits in den Zeiten eintritt, wo die freie Wald-nutzung noch nicht lange überwunden ist. Das war z. B. in