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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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III. ANPASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.

Sonderheiten der Wirtschaftssysteme zeigt sich am deutlichstendie Schmiegsamkeit des feldgemeinschaftlichen Princips.

§ 2. Die Phasen der Jägerei, der Fischerei und der Frucht-lese übergehend,will ich mit der Hirtenwirthschaft der Nomadenbeginnen. (Als Hauptquelle benütze ich dabei die neuerdingsin St. Petersburg erschienene statistische Beschreibung Trans-baikaliens; einiges kann auch der statistischen Beschreibungdes Gebietes von Akmolin.sk entnommen iverden, die Schilder-ungen sind aber hier nicht so eingehend und genau wie fürTransbaikalien ).

Die Wirthschaft des Nomaden beruht auf Grundstückenzweier Nutzungsarten: der Hirte braucht, grosse Weideflächenund je nach den klimatischen, Boden- und Culturverhältnissenmehr oder weniger Wiesenland, um Futter zu schaffen für dieJahreszeiten, wo das Vieh nicht geweidet wird, sowie für das-jenige Vieh, das im Stall gefüttert zu werden pflegt (Jungvieh,auch Milchkühe).

In Bezug auf das Weideland finden wir bei den Burjatenund Tungusen Transbaikaliens keine feste Eigenthumsverfassung.Es ist niu ein loser Markverband da; die Mitglieder aller zur Mark-gemeinschaft gehörenden engeren Gemeinschaften treiben ganzfrei ihr Vieh auf die Gemarkung, wobei sie sich in den Jahren,wo der Graswuchs gut ist, nicht weit von den Winterwolm-sitzen entfernen, dagegen bei schlechterem Graswuchs im Um-kreis von vielen Hunderten von Quadrat-Kilometern umherziehen.

Dagegen hat die Wieseneigenthumsverfassung eine festereGestalt. Der Verband der Markgemeinschaft ist, was das Wiesen-land anbelangt, bereits durchbrochen; an seine Stelle ist dieengere Gemeinschaft der Genossen einer Winteransiedelung ge-treten. Innerhalb dieser Gemeinschaft besteht noch vielfach diefreie Nutzung; Jedermann mäht, wo er will. Meistens hat jedochdie Eigenthumsverfassung bereits vorgeschrittenere Formen an-genommen, indem sich förmliche Wiesengemeinschaften desMir-Typus oder die Zwitterform der sogenannten Zaungenossen-schaft gebildet haben.

Noch lange bevor der Mangel am Wiesenlande sich fühl-