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Die Feldgemeinschaft : eine morphologische Untersuchung / von Alexander A. Tschuprow
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2. FELDGEMEINSCHAFT UND WIRTHSCHAFTSSYSTEM.

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wurden immer mehr verkürzt, bis man schliesslich bloss dieziun Ackerbau ganz ungeeigneten und etwa noch die an Wohn-stätten nächstliegen den Grundstücke als dauernde Weide behieltund alles übrige Land jahraus jahrein ohne Düngung mit Weizenbestellte. Eine Zeit lang ging das; auf die Dauer hält jedochselbst der Boden der südrussischen Steppen solche Raubwirth-schaft nicht aus. Der Graswuchs der mit Vieh übersetzten Weidenwird immer schlechter, andererseits lässt auch das Ackerlandnach, und die Ernten fangen an, bedenklich zu sinken. Mansieht bald ein, dass Hilfe geschaffen werden muss. Aber inwelcher Form ? An Düngung denkt noch Niemand. Am nächstenliegt es, wieder zur Feldgraswirthschaft zu greifen, denn dieIdee, die erschöpften Bodenkräfte des Acker- und des Weide-landes durch periodischen Wechsel der Nutzungsweise wiederherzustellen, wird durch die noch nicht vergessenen Erfahrungender wilden Feldgraswirthschaft nahe gelegt. Der Uebergang kannaber nicht von den einzelnen Wirtlien vollzogen werden; diemit der Weidenutzung verbundenen Schwierigkeiten sind zugross, und das momentane Interesse, in jedem Jahre möglichstviel Weizen zu bauen, fällt, namentlich hei den ärmeren Wirtlien,zu schwur ius Gewicht. Es ist keine Rettung, ausser in derEinführung des Flurzwanges und in der Decretirung des perio-dischen Umtausches der Acker- mit der Weidenutzung, ver-bunden mit der Reduction des Ackerlandes auf das technisch zu-1 ässige Maass, wogegen sich allerdings die ärmeren Wirthe sträuben.

Da, w r o die Gemeinschaft ohne Flurzwang, aber mit Um-theilungen des gesammten für den Ackerbau geeigneten Landesden Ausgangs]iunkt bildet, kann der Uebergang von der wildenzur geregelten Feldgraswirthschaft auch ohne jene Zwischenstufeder Einfeklerwirthschaft und ohne Hilfe des Flurzwanges ge-schehen, nämlich durch die Initiative der einzelnen Wirthe.Wird in den Zeiten der wilden Feldgraswirthschaft die Ge-markung unter die Mitglieder auf längere Zeit vertheilt ohneVerpflichtung zu einem bestimmten Wirthschaftsplane und zwarso, dass Jedermann seinen Anthe.il in nicht zu vielen Par-zellen bekommt (wie dies in Sibirien geschieht), so kann jeder

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