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SCHLUSS.
unter alle lebenden Genossen mngetheilt wird, wird-mit demwichtigsten Grundpfeiler der gegenwärtigen Gesellschaftsord-nung, mit der Vererbung des Vermögens innerhalb der Bluts-verwandtschaft, grundsätzlich gebrochen und die Familie alsvermögensrechtlicher Verband aufgehoben, wobei, wohl bemerkt,die Einheit des Haushaltes und selbst der Wirtschaft (fallsdas Land, wie beim Mir, den einzelnen Genossen zur Vutzungüberlassen wird) nicht zu Grunde zu gehen brauchen. Manbekommt Land, nicht weil der Vater es Einem hinterlässt, sondernweil die Gemeinschaft es Einem gibt. Dies verleiht der Ver-fassung eine Art von communistischem Anstrich. Sieht mannun solche Verfassungen, sei es noch so weit in der Ver-gangenheit oder noch so fern im Osten, in grösserem Umfangohne Störung gedeihen, so schwindet die Möglichkeit, sie ohneweiteres als utopistisch abzuweisen. Es widerstrebt aber denMeisten, anzuerkennen, dass ihre Werthurtheile in letzter In-stanz auf subjectiven Neigungen und Abneigungen beruhen.Anstatt das Reich der persönlichen Werthe von dem der sach-lichen Gründe ruhig zu trennen, wirft man beides durcheinander,indem man das, woran man hängt, als zwingendes Ergebnissder vorurtheilslosen Wissenschaft darzustellen strebt. Kann alsodie Möglichkeit des Widerstrebenden nicht mehr unbedingt ge-leugnet werden, so sucht man nach besonderen Gründen, welcheseine Realisirung nur unter bestimmten, einmal dagewesenen,aber längst überwundenen Voraussetzungen gestatten, und diehohe Bedeutung, welche unter diesen Umständen der Auf-findung solcher Gründe beigemessen wird, ruft eben eine ge-wisse Gereiztheit hervor.
Auf dem Gebiete der Studien über die Feldgemeinschaftist diese Stimmung in drei verschiedenen Strömungen zu Tagegetreten. Die Eine hat, ohne es zu wollen, der für die Feld-gemeinschaft schwärmende E. de Laveleye eingeleitet; er wolltedas Ansehen seiner Lieblingsinstitution durch den Vachweiserhöhen, dass sie überall auf Erden in Urzeiten bestanden habeund den Ausgangspimkt der Entwicklung der Menschheit bilde;es war nicht schwer, die Pointe gegen ihn zu kehren: eine