Druckschrift 
Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

Vorbelrachtung.

27

Im cvnträren Gegensatz zu der bisher geschildertenAnsicht steht jene andere, deren Charakterzüge, je kühnersie auftritt, desto leichter zu erfassen und daher allgemeinbekannt sind. In der Hauptsache handelt es sich um einenStaat, welcher die Vertheilung der Güter in die Handnimmt uud selbst dafür sorgt, sei es, daß jeder arbeite,sei es, daß jeder zu esseu habe, endlich auch, daß beidesin Vorgeschriebenein Verhältniß zn einander abgewickeltwerde. Alle diese Theorieeu siud bekannt. Die zahlreichenSchriften, in denen sie behandelt sind, Pflegen zurückzu-greifen auf Lacedämon und die Graechen, auf die erstenChristen und auf den deutschen Bauernkrieg. Ganz mitRecht führen sie unter den dabei in Betracht kommendenVorschlägen auch das Buch des Thomas Morus an, dessenName noch bis heut als das Gattungswort schöner un-ausführbarer Traumgestalteu in allen Sprachen gebliebenist. Ein Dutzend anderer schöner Phantasiegebäude, zumTheil von classischen Federn entworfen, läßt sich dar aureihen. Weder die theoretischen noch die praktischen Ver-suche, so alt sie auch sind, haben je Boden in der Weltgewinnen können. Auch der gewaltigste Anlauf, dasMaximum der neunziger Jahre, obwohl in seiner Artbescheiden zu ueuuen und der Noth abgepreßt, hat, trotzdem Schreckensregiment, das ihm zur Seite staud, es niezu wahrer praktischer Geltung bringen können; noch weni-ger brachten es die Epigonen mit ihren Nationalwerkstättenoder ihrer Commune je dazu, daß man sie im Erust fürlebensfähig hielt. Die Commune war übrigens imVorbeigehen gesagt durchaus keiue absichtlich oder un-absichtlich verwirklichte communistische Staatsidee; sie warnichts als die Entfesselung einer Masse abenteuernder,excentrischer, brodloscr Menschen beiderlei Geschlechts und