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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
39
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Lorbetrachtung.

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ethische Forderung, das klingt so gebieterisch erhaben undunwidersprechlich, daß das Sünderbewußtsein des gemeinenSterblichen sich nicht dagegen aufzulehnen wagt. So sindwir denn zu guter Letzt dahin gekommen, daß der wahreSchlüssel zur Pforte der sozialen Frage imsittlichen,Pathos" liege, mit dein an den Versuch herangetretenwerde. Wen erinnert diese Formel nicht an jene Hell-seherinnen, welche behaupten, daß ihr Magnetismus nurin Gegenwart derer in Fluß komme, die an ihn glauben?Und man denke nicht, daß hier ein zufällig einmal demZaun der Zähne entsprungenes Wort herausgegriffen sei.Vielmehr ist das der Grundgedanke, welcher sich überallin den Auslassungen der neuen Schule wiederfindet. Inollen möglichen Tonarten begegnen wir der Behauptung:daß der Gegensatz der Anschauungen nicht vom bessernWissen, sondern vom besseren Wollen ausgehe. Denältern Nationalökonomen fehle es nicht sowohl am Kopfals am Herzeu. Damit wird selbstredend die Wissenschafteine Religion, eine Sache der Begeisterung, der göttlichenGnade, die sich der Mensch nicht selbst geben kann. Nichtbloß Sarastro, sondern sogar Pamina selbst könnte jaPaminen nicht zur Liebe zwiugen. Auch ist ebeu deßhalbhier die Stelle, wo die wissenschaftliche Richtung in diePolitische übertritt, wo der Natioualökonom zum Sozial-demokraten wird. In die Doctriu nämlich das Herz zumischen geht nicht an. Die Homöopathen könnten sonstVielleicht auch darauf kommen, den Allopathen vorzuwer-fen : diese hätten nicht die richtige Liebe zu den Patienten,oder die Darwinianer ihren Gegnern, daß letztere nichtdie richtige Liebe zu den Affen hätten. Solange es sichum wissenschaftliche Ermittlung des Richtigen handelt,dreht sich der Streit um die Wahrnehmung des Richtigen,