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Borbctrachtuiig.
die Folgen und Schlüsse geben sich dann von selbst. VomStandpunkt der Wissenschaft gibt es also offenbar keineethische Richtung in der Medicin, oder in der Astronomie,oder in der Physiologie. Die moderne Heilkunde ist gegendie Blutentziehung und für die Fleischnahrung, nicht weilsie die Menschen mehr liebt als ihre Vorgängerin, son-dern weil sie den Zusammenhang der Lebensbedingungenbesser kennt. Aus demselben Grund ist es erhabener Un-sinn , von einer ethischen Richtung in der Volkswirthschaftzu reden. Dagegen wird das Pathos sofort berechtigt,wenn sich die Politik in die Sache mischt. In der Wissen-schaft ist nur Kampf um Wahrheit, in der Politik istKampf um Macht, wenigstens der Regel nach. Die sozial-politischen Auseinandersetzungen, und besonders die, welcheden Classenkampf predigen, haben das Recht, sich dahinzusammenzufassen, daß in der bisherigen Staatsordnungdie oberen und mittleren Schichten der Bevölkerung wissent-lich oder unwissentlich die unterste unterdrücken, ausbeutenoder wie sonst die Wendung lautet. Au der Hand desbekannten Kategorienspiels erläutern sie, wie das Bürger-thum an die Stelle des Adels getreten, uud gerade sofrivol und blind sich allein für die lebensberechtigte Weltansehe, wie ehemals jener. Sie nehmen demnach an: dieherrschende Meinung, insofern sie sich ihren Erlösungs-recepten verschließe, entspringe mittelbar oder unmittelbaraus einer zu der Harmonie des großen Gemeinwesens imWiderspruch stehenden Selbstsucht. Als Politiker, nochmehr als Sektenführer dürfen sie so urtheilen. Auch denMännern der Wissenschaft gegenüber mögen sie denselbenStandpunkt einnehmen. Diesen rufen sie einfach zu: „Ihrauch seid Bourgeois, ihr kämpfet mit für die Vorrechteeurer Kaste, ihr auch seid in Folge enrer Selbstsucht