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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Vorbctrachtung.

Richtung Lügen gestraft. Im Gegentheil, es läßt sich nichtläugnen, daß die Nichtintervention in den letzten Jahr-zehnten viel mehr Fortschritt als je vorher im öffentlichenGeiste und in der Praxis der Cabinete gemacht hat. End-lich stehen gerade iu diesem Punkte der Friedenspropagandaalle sozialistischen Kreise den Anschauungen Cobdens undBrights am nächsten, während umgekehrt manche, die ihrsoziales Pathos gegen die krämerhafte Manchesterschulekehreu, eine noch viel stärkere Dosis von politischemPathos für den Krieg und das Waffenhandwerk zurSchau tragen.

Zu guter Letzt heißt es dann: die ehrwürdigen altenZeiten mit ihren Gilden, Zünften, Gliederungen seienauf dem richtigen Wege gewesen; moderner Rationalismushabe diese weisen Einrichtungen aus abstracten Gründenviel zu sehr mißkannt, und es handle sich um eiue Wieder-herstellung jener früheren Gebilde in geläuterter Weise.Ueber die Verdienste jener Dinge zu ihrer Zeit brauchtman nicht zu streiten. Sie waren jedenfalls natürlicheErgebnisse gewisser Staats- uud Gesellschaftszustände, denensie überall mit mehr oder weniger Uebereinstimmung ent-wüchse«. Ob der Geist jener Institutionen ein so radi-caler und humaner war, wie ihre Lobredner jetzt behaupten,darf zweifelhaft bleiben. Die Spekulation über der-gleichen weit zurückragende und weit verbreitete Erschei-nungen kann, wie jeder weiß, in dieselben hineinlegen,was ihr am besten schmeckt; es ist gerade so leicht, sieals Werkzeuge der Knechtschaft wie der Befreiung zu schil-dern. Was zu laut gegen sie zeugt, wird vom Lobrednerin die Periode ihres Verfalls verwiesen, wobei danngemeinhin diese Periode des Verfalls sich als die viellängere und mächtigere, denn die der Blüthe herausstellt.