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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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Vorbetrachtung.

In der That, es ist schwer zu sageil, was abenteuerlichersei, ob der Gedanke, das ganze Gewerbsleben der Groß-industrie und das Gemeinwesen des Großstaates wiederauf die Dimensionen, die solche Fesselung möglich mach-ten, zurückzuschrauben, oder jenes andere, die ganze culti-virte Welt in einen Gesammtbruderstaat zu fassen, inwelchem alles und jedes sich harmonisch nach demselbenehernen Gewerbegesetz bewege.

Zwei Aushülfen Pflegen heutzutag empfohlen zu wer-den, da wo das Helfen schwer ist: Untersuchungscommis-sionen und Konferenzen. Gegen die ersteren, wenn mitVerstand geleitet und auf Thatsachen , nicht auf Meinun-gen gerichtet, ist nichts einzuwenden. Eine authentischeFestsetzung der Lebenslage der Arbeiter in Deutschland wäre gewiß von großem Interesse. Sie würde uns mög-licherweise z.B. darüber Aufschluß geben: wie so in denmeisten Industrien die Klage über Mangel an Arbeiternneben der Klage über mangelhaften Lohn bestehen könne.Viel zweifelhafter ist das Mittel der Konferenzen.

Es war unter dem Eindrucke des erschütterndenDramas der Pariser Commune , daß den meisten Staats-männern der Gedanke kam, ob nicht gemeinsame Verab-redungen zu treffen seien zur Abwehr gegen eine Jedemdrohende Gefahr, deren Keime, wie man eben erlebt hatte,unter der Oberfläche der höchsten Verfeinerung schlummern,in wenigen Stunden geweckt und zur furchtbarsten Gewaltentfesselt werden konnten. Bereits hatte Spanien denVersuch gemacht, die europäischen Mächte zu gemeinsamenAnstalten gegen die Internationale zu bewegen. Diefranzösische Republik erließ ein in seiner Art einzigesSpecialstrafgesetz gegen die Mitgliedschaft in dieser Verbin-dung , welche sich selbst mit mehr oder weniger Recht als