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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
56
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gg Vorbeirachlung,

Lebensstellung und Thätigkeit zu seinen sozialistischenThränen über die Herrschaft des Capitals in drolligemGegensatz erscheint. Was unsern jüngern Akademikernvom sachlichen Standpunkt zum Schaden, das muß ihnenvom menschlichen aus wenigstens zur Ehre gereichen, näm-lich- sie stehen außerhalb der praktischen Welt; sie führenein bescheidenes Leben, dessen Ziele vorzugsweise eineruneigennützigen Erkenntniß der öffentlichen Interessen ge-widmet sind; der Staat ihrer Phantasie könnte, wenn erüberhaupt gedacht werden könnte, auch mit unbeeinträch-tigter Fortführung ihrer bisherigen Existenz und Thätig-keit gedacht werden. In der bloßen Verbindung der beidenAusdrücke Katheder und Sozialist liegt daher nur einescheinbare und mithiu ganz leise Ironie. Das Treffendeder Bezeichnung entspringt vielmehr aus der andern, soeben mit einem Worte angedeuteten Bewandtniß. Werauf dem akademischen Lehrstuhl steht, wer namentlichdirekt von der Hochschule oder der Studirstube aus aufdicseu Stuhl gekommen ist, der kann vom wichtigstenTheil desjenigen Lebens, das er zum Gegenstand seinerKritik macht, unleugbar nicht ausreichend durchdrungensein. Er mag die Fabriken der halben Welt durchwan-dert, er mag die Acten aller englischen Strikcs studirrhaben: er gewinnt vom praktischen Erwerbsleben doch nureine poetische Anschauung. Wir sagen mit Absicht nicht:eine theoretische, sondern eine poetische. Denn die derTheorie als solcher von der Routiue hiugeworfeue Einredeist gemeinhin eine zu Guusten des Schlendrians und derDenkfaulheit erhobene Chicane, mit der durchaus hiernicht gemeinsame Sache gemacht werden soll. Nichtsschildert die Unterscheidung, auf die es hier vielmehr an-kommt, lebendiger als eine kleine Anekdote, die jüngst