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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
57
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Lorbetvachtuüg, 57

ein Fabrikherr erzählte. Er wohnt in einer Universitäts-stadt, und eines Tages brachte mit seiner Erlanbniß derProfessor der Nationalökonomie, ein Vorkämpfer der be-wußten Nichtimg, seine Zuhörer in die Werkstätten, umihnen ein Bild des gewerblichen Organismus unter dieAugen zu rücken. Die Fabrik leistet auf ihrem Gebietin der Herstelluug einer gewissen Waarengattung Außer-ordentliches, und die Bewunderung, zu welcher der Lehrerdie Schüler aufforderte, war nicht eine bloße Höflichkeits-bezeugung gegen den Eigenthümer.

Sehen Sie, meine Herren," so schloß er, zu denStudenten gewendet, seinen Commentar,dieser gedeih-liche Gang des Unternehmens erklärt sich daraus, daßHerr N. N. seine Arbeiter mit einer Quote seines Ge-winns bethciligt."Fällt ihm gar nicht ein," platzteihm der verdutzte Fabrikant in die Rede,nnd kann ihmnach seiner bisherigen Erfahrung auch gar nicht einfallen.Seit Jahren habe ich eine ansehnliche Prämie jedem zu-gesagt, der von seiner zum Theil sehr bedeutenden Löh-nung die Summe vou 15 THIr. bei mir als Ersparnis;anlegt. Und noch nicht ein einziges Mal bin ich in dieLage gekommen, diese Belohnung zu geben. Die freienStunden und der überschüssige Lohn werden meistens ver-trunken. Im Uebrigen," schloß der Praktiker,würdeich mich im Interesse Ihrer Aufklärung über Arbeiterver-hältnisse sehr glücklich fühlen, Herr Professor, wenn Sieeinmal auf eine Zeit lang die Leitung irgend eines Theilsmeiner Werkstätten übernehmen wollten." Der Professorist natürlich darauf nicht-eingegangen. Die kleine wahr-hafte Geschichte aber ist die kernigste Illustration zu demBegriff Kathedersozialismus.

Um die- soziale oder die Arbeiterfrage anders als