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Norbctrachtung.
hervorriefen, ist mit Sicherheit zu entnehmen, — wasschon von vornherein vermuthet werden durfte — daßnämlich die Mehrzahl der Congreßwallfahrer die Bücherder Veranstalter nicht gelesen hatte und wohl auch nichtlesen wird. So waren auch die praktischen Ergebnissein Form von Beschlüssen wieder das Unoriginellste vonder Welt, Anpreisung von längst bekannten Recepten,Wiederholung lobenswerther Desiderieu — kurz Einschla-gung offener Thüren und im Uebrigen eine nebelhafteUnklarheit, wie sie bei den mit ihrer eigentlichen Parolehinter dein Berg haltenden Führern und den aus allenStandpunkten zusammengeschueiten Gefährten nicht andersmöglich war.
Nun liegt der Gedanke nahe: es sei ja nichts heil-samer, als daß die Urheber extravaganter Bücher undProgramme, sobald es zum Klappen kommt, stets zuvernünftiger Mäßigung gelangen müsseu, wenn sie nichtin den Kreis der offiziellen Sozialdemokratie eintretenwollen, und es sei daher besonders erwünscht, daß solcheKongresse, wie der Eisenacher kathedersozialistische, ver-anstaltet werden. Daran ist was Wahres. Aber wer aufdieseu Vortheil allein hinblickt, rechnet doch zuviel auf den.Verstand und die Ehrlichkeit der Menschen.
Es ist vielmehr anzunehmen, daß von jenen extra-vaganten Büchern und Programmen viel mehr die kühnenStichwörter als die bescheidenen Schlußfolgerungen Glückmacheu, d. h. die Köpfe in Verwirrung bringen. Erlösungs-theorieen ziehen wohl auch manchen klaren und redlichenDenker an, der — wie es in Eisenach geschah — an demWiderspruch zur Erkenntniß kommt. Aber mehr nochkann man dessen sicher sein: daß kein Wirrkopf und keinFaiseur zu Hause bleibt, wo die Lorbeeren der sozialen