Vorbctvachtung.
07
Frage auf sittlicher Grundlage mit gelehrtem Apparat uudbeinahe mit einem Abglanz allerhöchster Ermunterungwinken. Ohnehin bleibt die sich einschmeichelnde Kritik desBestehenden eine leicht nachzusingende Melodie. Und wennerst einmal in den höchsten Tönen bejammert worden ist,wie die Welt im Argen liege, so solgt ja nichts mitgrößerer Nothwendigkeit, als daß es „anders werdenmüsse." Wie? ist hernach eine Nebensache, und jedesauch noch so kindische Experiment freundlich aufgenommen.
Das Klarste und Einfachste ist dann, daß die wirk-lich staats- und gesellschaftsfeindlichen Parteien mit vollemRecht die Geständnisse zu den Akten registriren und mitnoch besserem Recht ihre Radikalkuren den halben undinconsequenten Recepten der Anderen gegenüberstellen.Bereits hat auch eine Lassallianische Versammlung inKönigsberg unter Hasenclever die lobenswerthen Bestre-bungen des Eisenacher Congresses ermunternd anerkannt,ungefähr fv wie vor einigen Jahren Johann Jakoby ineiner Bebel-Liebknecht'schen Volksversammlung als zwarnoch uicht zur Aufnahme reifer, aber doch nicht hoffnungs-loser Schüler herablassend belobt worden ist.
Welche Schlußfolgerung läge auch uäher, als die:daß, wenn die gegenwärtige Gesellschaftsordnung unsittlichist bis zum Empörenden, wenn als Heilmittel nnr ganzunklare uud schwache Empfehlungen jenen Anklagen zu-gefügt werden, daß dann nur eine Umwälzung von Grundaus und ein Staat auf ganz anderer Voraussetzung helfenkönne? Die soziale Antwort auf die foziale Frage ist dersoziale Krieg im Sinn der Internationalen. Der ein-greifendste Unterschied zwischen dem conservativen und demrevolutionären Sozialismus ist dieser: der erstere will denbestehenden Staat zum Meister der Erwerbs- und