Politische Ausgangspunkte,
75
Es lag politischen Männern, welche die Vertretungdieser Sinnesweise übernommen hatten, besonders nahe,die Angelegenheiten der zahlreichen und rührigen Arbeiter-bevölkerung von Berlin ins Auge zu fassen, und zwarnicht blos um deren Desiderien Ausdruck zu geben, son-dern auch aus dem noch löblicheren Beweggrund, ihranderwärts als in den Kreisen der gewerbsmäßigen sozia-listischen Agitation einen Stützpunkt zu bieten. Begreif-licher Maßen floß in diese ganze Verhaltungsweise auchdie stillschweigende Berechnung ans Gegenseitigkeit mit ein:die Politiker sollten in den Arbeitern Bundesgenossenfinden, wie auch umgekehrt diese in jenen — nichts natür-licher und erlaubter! Nach Anstalten sich umsehend, welchezu praktischen Anfängen dienen könnten, geriet!) man,wie beinahe immer, auf den Gedanken, Studien überenglische Vorbilder zu verwerthen, nnd so ward der Planentworfen, die eben erst unter dem Namen der lindsIlnions viel besprochenen Arbeiterverbindungen Groß-brittaniens in einen Versuch auf deutsche, berliner Erdezu übersetzen. Man gab dem übersetzten Institut densehr gelungenen Namen „Gewerkverein".
Zwei Abgeordnete des norddeutschen Reichstags warenes vorzugsweise, welche die Sache in die Hand nahmen:Franz Duncker und Max Hirsch , ersterer mehr in Formeines allgemeinen Patronats, letzterer in Nachbildung derbesonderen Thätigkeitsform, welche- Schulze-Delitzsch sichals Anwalt bei seinen Genossenschaften geschaffen hatte,um deren Pflege nnd Verbreitung seine ganze Kraft zuwidmen. Beide gehörteu der erwähnten Parteirichtungan, und wenn sie vor Allen die Verbindung derselbenmit den Arbeiterinteressen in Gestalt der Gewerkvereineauszubildeu übernahmen, so verstand es sich andererseits