Die natürliche Tcndcnz der Gcwcrkvercme. 129
d. h. Gewerkverein) hat die Mehrheit des Reichstags (wenig-stens Dreiviertheile der Gesammtheit) den Beweis geliefert,wie wenig es ihr um gründliche, gewissenhafte Prüfung derNegierungsforderungen zu thun ist" (G.-V. vom 31. April1872). Wenn man weiß, wie viel Gereiztheit jetzt schonohnehin in den Arbeiterkreisen herrscht, so kann man berech-nen, ob dieselben durch solche systematisch Jahr aus Jahrein verabreichte Kost zu gemäßigten Anschauungen gegenden Staat und dessen gesetzliche Faktoren ermuntert werden.
Und deuuoch führen wir das Alles an, ohne gegendie Leiter des Gewerksverbandes damit eine Anklage er-heben zu wollen. Sie machen von einem ihnen gesetzlichzustehenden Recht Gebrauch, und sie werden es an gutenGründen uicht fehlen lassen, um zu entwickeln, wie ohneein wenig politisches Salz die Agitation und die Schmack-haftigkeit des unausgesetzt um Abonnenten werbendenOrgans uicht zu bestreiken, ja wie es ihre Pflicht sei, inihrer Eigenschaft als Arbeiterfreunde auch die politischenLehrer ihrer Schützlinge zu seiu. Das Alles kann unbe-denklich zugegeben werden. Nur wisseu muß man es,wenn man wissen will, was die concreten deutschen Ge-werkvereine sind, wie sie arbeiten und was sie für dieZukunft, nach ihren noch so jnngen und geringen An-fängen zu schließen, in Aussicht stellen. Namentlich mußman es wisseu, wenn man die Frage beantworten will,ob sie ihrer Natur uach zu Strikes, d. h. zu acutenZerwürfnissen mit einzelnen Gruppen der gemeiniglich einergemäßigten politischen Richtung angehörenden Unternehmer-und Kapitalistenclasse hinneigen. Statuten bedeuten garuichts. Das Papier ist nie so geduldig, als wenn esseinen Rücken für statutarische Paragraphe herleiht. DasLeben muß man befragen. Es ist ja möglich, daß die
Bamberger, Arbeiterfrage. I