Das Hilfskassemvcsen.
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sich die Erörterung auf das Kassenwesen. Wäre das dierichtige Antwort auf die so laut erhobeue Frage, so könntemau füglich behaupteu, die Frage in der beunruhigendenTragweite, in der wir gewöhnt worden sind, sie mittiefen: Bangen zu erfassen, existirt gar nicht. Denn wieheißen diese Kassen aller Art? — Begräbniß-, Kranken-,.Sterbe-, Wittwen-, Waiseu- und endlich, die bei weiten:wichtigsten, Invaliden-Kassen, — sind sie nicht bestimmt,immer nur in den seltenereu, iu den Ausnahmsfällenihre Wirksamkeit zu äußeru?
Jeder Mensch stirbt, aber er stirbt bekauutlich nureinmal; er soll auch mehrmals krank sein, die Regel istdoch, daß er gesund ist. Daraus folgt, daß auch Ver-wittwung und Verwaisung nicht die normal eintreffendenSchicksalsfügungen sind; wenn auch schließlich jeder Ar-beiter, der lange genug lebt, Invalide wird, und zwarvielfach früher als in manchen andern Berufsarten, soist doch auch die Invalidität der Zustand, der im Arbeiter-leben der großeu Mehrheit die bei weitem kürzere Zeit-dauer ausfüllt, und, muß man hinzufügen, den Arbeiterselbst in Gestalt dieser Zukunftsgedanken viel weni-ger beschäftigt als die Gegenwart. Leitet dochdas ganze Kassenwesen seine Entstehung von der Absichther, welche den Arbeiter gegen sein Naturell zwingen will,in seiner Wirthschaft auch auf die möglichen schlechtenZeiten Rücksicht zu uehmen. Dieß gilt zwar in erster Linievon dem Grundgedanken der Invaliden-, aber kaumweniger von allen andern Kassen. Nicht die materielleUnfähigkeit zum Sparen war es, von welcher alle gesetz-lichen und freiwilligen Humanitätsanstalten bei Gründungvon Kassen ausgingen, sondern die psychologische. Hätteihnen vorgeschwebt, d.aß der Arbeiter nicht genng ver-
Bamberger, Arbeiterfrage. II