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Achtes Capitel.
diene, UM etwas für schlechte Zeiten auf die Seite zulegen, so würden sie ihm nicht haben zumuthen können,daß er zurücklege. Der wahre und eiugestaudeue Sinnaller dieser Einrichtungen ist mithin, den Arbeiter, gegeneine gewisse natürliche Tendenz, zu einer Wirthschaftsweisezu nöthigen, welche, wie es einsichtigen Menschen zukommt,den Blick über den nächsten Tag hinaus richtet. DerUmstand, daß die Arbeitgeber zu jenen Kassen beitragen,ist nur zum Theil aus der materiellen Unzulänglichkeitder Sparkräfte der Arbeiter zu erklären; wenigstens ineben so starkem Verhältniß liegt dieser Mitwirkung dasMotiv zu Grunde, daß in ihr ein Sporn für den andernTheil liegen soll. Auch wird Niemand, welcher sich umdie Lebensweise der Arbeiter praktisch gekümmert hat, willer aufrichtig sein, abläugnen, daß hohe Löhne und Spar-samkeit selten zusammengehen, und daß, je besser dieZeiten, desto weniger 'ein großer Theil der Arbeiter andie Möglichkeit der schlechten denkt. Das ist menschlicheNatur, verstärkt durch den eigenthümlichen Geist, welchendie Agitation iu diese Kreise getragen hat.
Wir sagen demnach: die Uebel, deren Abhilfe oderLinderung die Kassen bezwecken, füllen nicht das normaleDasein des Arbeiters ans, auch zum geringeren Theildessen Gedanken. Nicht über das, was ihm eventuell zu-stoßen kann, sondern über das, was Jahr aus Jahr einihm als regelmäßige Existenz beschieden, geht diejenigeKlage, deren Beschwichtigimg den gesetzgeberischen An-läufen, wenn auch uur dunkel, vorschwebt; und ist dieKlage gerechtfertigt, fo ist das ganze Aufhebens, dasmit dem Kassenwesen geinacht wird, nur ein Spott aufdie Kläger . In der That, die „soziale Frage", der Rufnach deni „menschenwürdigen Dasein", der Krieg gegen