Druckschrift 
Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

Neuntes Capitel.

zu begegnen, und es stellte sich heraus, daß diese Ueber-lastung gar nicht von der arbeitenden Bevölkerung herrührt.

Wie eigenthümlich durchkreuzen sich doch in diesenschwierigen Aufgaben die Meinungen, und wie wenig stehtes Meuschheits- und Staatsdoetoren an, sich mit Weg-werfung über das zu äußern, was sie für die Geistes-oder Herzensenge veralteter Gegnerschaft erklären.

Um diese Widersprüche und Entstellungen ein wenigzu illustriren, sei uns gestattet, dem jüngst in Eisenach abgehaltenen Congreß der Kathedersozialisten etwas näherzu treten. Auf diesem Congreß, mit dem jetzt eine neueZeit hereinbrechen soll, ward in verschiedenen Tonartendie Nothwendigkeit und Herrlichkeit der Staatseinmischungin Arbeitersachen angerufen, bald in vollem Maße als dasIdeal der Zukunft, bald in bescheidenerem für die un-mittelbare Gegenwart. Dem entsprechend ward auch diefreie Selbstbestimmung der gewerbfleißigen Individuen undGesellschafteu mit üblicher Geringschätzung bedacht.

Prof. Schmoller, als Referent über Arbeitseinstel-lungen und Gewerkvereine, eröffnete die Debatte mit einerRede, in welcher erklärt wird, daß die staatlichen Zwangs-hilfskassen nicht entbehrlich seien und nur der Eintrittin die vom Redner nachdrücklichst empfohlenen Gewerk-vereine von diesem Zwang entheben soll (nicht einmal alsojede andere freigegründete Kasse); daher nicht blos Kassen-zwang, sondern sogar bedingte Zwangskasse. ' Und wie

> Der Staat, an den man zunächst denken muß, der preußische,huldigt vorerst dem Kasscuzwaug, kündigt auch stellenweise das Bc-°dürfuiß an, denselben auszudehnen (in einer Antwort an den BerlinerMagistrat), Namentlich als ein Corrcctiv gegen die eben noch vonReichswegcn durchgesetzte Freizügigkeit, die dabei nicht ohne einenleisen Tadel wegkommt.